Vor zwei Wochen hatten, in der Nacht zum 13. Juli, vermutlich mehrere Wölfe auf einer Weide am Küchensee zwischen Falkenhagen und Lietzen den Elektrozaun um eine Schafherde des Frankfurter Schäfermeisters Udo Felgendreher überwunden und mehrere Tiere gerissen. Die Bilanz des Schäfers lautete: 20 Ziegen und 10 Schafe waren tot oder mussten aufgrund ihrer Verletzungen getötet werden. Doch der Schäfer soll vom Land keinen Schadenersatz bekommen.
Eine entsprechende Mitteilung hat Udo Felgendreher jetzt vom Landesumweltamt auf seinen Entschädigungsantrag erhalten. Ihm wurde mitgeteilt, dass er keinen Ausgleich für den Schaden bekommen könne, „weil die Mindeststandards zum Schutz der Tierbestände nicht eingehalten wurden“, wie Hans-Joachim Wersin-Sielaff, der Pressesprecher des Landwirtschafts- und Umweltministeriums informiert.
Konkret kritisiert die Behörde, dass die Spannung am Weidezaun die vorgeschriebenen 2500 Volt deutlich unterschritten habe. Nachmessen konnte der Rissgutachter allerdings nur an der vor ihrem Eintreffen „neu errichteten Koppel“, heißt es im Schreiben des Landesumweltamtes. Denn trotz eines entsprechenden Hinweises sei der Weidezaun auf der Koppel, auf der sich der Riss ereignet hat, abgebaut bzw. verändert worden, bevor der Gutachter eintraf.
Doch es kommt noch heftiger: Einige der untersuchten Tiere seien „bereits mehrere Tage tot“ gewesen. Das widerspreche den Angaben des Schafhalters, wonach die Tiere täglich zwei- bis dreimal kontrolliert und zum Tränken gehütet werden. Bei einer täglichen Kontrolle hätten die Tiere auffallen müssen, heißt es im Schreiben der Behörde. Sie verweist darauf, dass tote Tiere beim Verdacht auf einen Wolfriss „unverzüglich, spätestens aber vor Ablauf von 24 Stunden nach Bekanntwerden des Schadens über die Schadenshotline gemeldet werden müssen“.
Außerhalb der Weidefläche habe der Rissgutachter zudem zwei Schafskadaver gefunden, „deren Todezeitpunkt bereits bereits bis zu vier Wochen zurück“ lag. Damit habe der Schafhalter die Wölfe förmlich angelockt, kritisieren die Experten im Landesumweltamt. Denn „längere Zeit herum liegende und auf Weideflächen bzw. im Flachwasser verwesende Tierkadaver ziehen ... auch aasfressende Tiere wie Wölfe, Füchse und Vögel an. Der Kadavergeruch dürfte daher den ... Riss befördert bzw. die Wölfe auf die mögliche Beute aufmerksam gemacht haben“, meint man im Landesumweltamt.
Dort versteht man die offenbar mangelnde Sorgfalt des Schafhalters angesichts der Tatsache nicht, dass es nahe der jetzigen Riss-Stelle im Vorjahr schon zwei Wolfsattacken auf Felgendrehers Falkenhagener Herde gegeben hat.