Sie bietet einen Blick zurück, aber auch voraus: die Ausstellung „Konsum. Versorgung in der DDR“. Diese ist jetzt im Bahnhof Küstrin-Kietz zu sehen.
Kleine Kärtchen und Stifte liegen seit Sonntagnachmittag in den einst von der Aufsicht genutzten Räumen im Bahnhof Küstrin-Kietz aus. Darauf können Besucher der Ausstellung „Konsum. Versorgung in der DDR“ mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Archiv des Verbandes Deutscher Konsumgenossenschaften ihre Gedanken festhalten. Zu Fragen wie diesen: Braucht Küstrin-Kietz einen „Konsum“? Was müsste er anbieten? Würden Sie dort einkaufen? Brauchen wir einen „Dorfladen“ als Ort für Begegnungen? Oder auch: Ist die Zeit der kleinen Läden endgültig vorbei?
Schließlich, so berichtete Ortsvorsteher Gerhard Schwagerick bei der Eröffnung, sei der einstige Konsum 1990 erst einmal privat weitergeführt worden und gab es bis vor zwei Jahren auch den Tante-Emma-Laden von Christa Preuß. Schwagerick, zugleich Mitglied im Verein Kietz Bahnhof/Dworzec Chyza, hatte zudem sieben ehemalige Konsum-Verkäuferinnen eingeladen. Nur eine habe kurzfristig absagen müssen, freute er sich über die Resonanz. Gekommen waren ebenfalls der für Küstrin-Kietz zuständige Bürgermeister Werner Finger (Küstriner Vorland) sowie dessen Golzower Amtskollege Frank Schütz und die beiden Landtagsabgeordneten Bettina Fortunato (Linke) und Simona Koss (SPD).
Der Vereinsvorsitzende Uwe Bräuning verwies darauf, dass die Konsum-Frauen einst ein hohes Ansehen hatten. Der Konsum im Ort sei immer ein zentrales Thema und auch ein Treffpunkt gewesen. Die Ausstellung sei zudem ein Zeichen dafür, dass es im Bahnhof keinen Stillstand mehr geben soll. Dazu passten weitere Fragen im Raum nebenan: Würde ein kleiner Laden im Bahnhof den Ort attraktiver machen? Würden Sie ein solches Projekt im Bahnhof unterstützen? Zusammengestellt worden ist die Ausstellung von Elke Kimmel und Jürgen Danyel, zwei im Verein engagierte Wochend-Küstrin-Kietzer, die einmal ganz dorthin ziehen wollen. „Wir sind vom Interesse und der Offenheit hier angenehm überrascht“, erklärte Jürgen Danyel. So seien vor kurzem bei der Vorführung des DDR-Fernsehfilms „Irrläufer“, in dem der Grenzbahnhof in Kietz im Mittelpunkt steht, 50 Leute gekommen. „Diesen Bahnhof wollen wir wieder zu einem lebendigen Ort machen“, so Danyel weiter.
Am Sonntagnachmittag war der Bahnhof äußerst lebendig, reichten die Sitzplätze in einem der Ausstellungsräume nicht aus. Jürgen Danyel, Historiker und am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam tätig, erinnerte daran, dass der Konsum zu DDR-Zeiten in Konkurrenz zum staatlichen Handel stand, aber immerhin 30 Prozent des Einzelhandels ausmachte.
Seine Vielfalt – bis 1975 gab es sogar einen Versandhandel – macht die Ausstellung eindrucksvoll deutlich. So war der „Teepott“ in Warnemünde zum Beispiel eine Konsum-Gaststätte. Der Konsum hatte unter anderem aber auch Produktionsbetriebe, darunter für Nudeln (Riesa) und Pralinen (Tangermünde).
Die Ausstellung im Bahnhof Küstrin-Kietz kann noch bis zum 16. Dezember besichtigt werden – jeweils sonntags 13 bis 17 Uhr.