"Uganda - Alphabetisierung und Landwirtschaft" hat die katholische Kirche ihr Misereor-Projekt in der Fastenzeit überschrieben. Das Misereor-Hilfswerk beschreibt die Situation im Norden Ugandas recht drastisch. In dem extrem trockenenen Gebiet leidet jeder Dritte an Hunger. Während die Männer in der Trockenzeit mit den Rinderherden auf Weidelandsuche gehen, bauen die Frauen Hirse an.Das Fastenprojekt von Misereor unterstützt nun den Anbau von Gemüsegärten in diesen Gebieten. Hilfe zur Selbsthilfe heißt vor Ort die Devise. Dafür wird auch die Ausrüstung zur Verfügung gestellt. Aber um nachhaltig helfen zu können, müssen die Einwohner erst einmal Lesen und Schreiben lernen.
Auf der Suche nach Lösungsansätzen, die auch für die Bedingungen in Afrika angewandt werden können, informierte sich Erzbischof John Baptist Odama aus Uganda über die Erfahrungen auf dem "Meisterhof" von Valentin Kätzl in Friedrichsaue. Dieser Hof wird seit mehr als einem Jahr vom Netzwerk "Ackerbande" getragen. Die besteht derzeit aus 18 Personen, die die Betriebskosten für die Bewirtschaftung der sieben Hektar vorschießen, um Anteile an der Ernte zu bekommen. In den Erntekörben aus Friedrichsaue befindet sich größtenteils auch nachhaltig produziertes Gemüse. Der 66-jährige Kirchenmann aus Uganda zeigte sich von dem Netzwerk-Modell der solidarischen Landwirtschaft angetan.
"Ich habe der Delegation erläutert, wie wir hier versuchen, die Bodenfruchtbarkeit auch auf kleiner Fläche zu erhalten. Dabei ist das Kreislaufprinzip, das zu jedem Demeterbetrieb gehört, von großer Bedeutung", erklärt Kätzl. Dabei müssen Tierhaltung und Pflanzenproduktion in richtigem Verhältnis betrieben werden.
Bei den kleinen Familienbauernhöfen in Norduganda komme es vor allem darauf an, dass sie mit ihren eigenen Produkten sowohl für Dünger als auch für Samen sorgen können. Nur so können sie weiteren Abhängigkeiten von den großen Konzernen entgehen", ist der 34-Jährige überzeugt. Die auf Englisch geführten und von Dolmetschern erleichterten Gespräche mit John Baptist Odama seien auch für die Oderbrücher sehr interessant gewesen. "Ein Problem für die Kleinlandwirte Ugandas ist auch die Zierblumenindustrie, die die Wasserreserven rücksichtslos ausbeutet."
Das Projekt in Uganda und die solidarische Landwirtschaftsgemeinschaft "Ackerbande" waren zuvor bei einem "fairen Frühstück" beim Frankfurter Verein Puerto Alegre vorgestellt worden. Harriet Nakasi, Koordinatorin des Landwirtschaftsprogramms der Erzdiözese Kampala in Uganda stellte sich dabei den Fragen der Teilnehmer.
John Baptist Odama war drei Jahre lang Bischof der Diözese Nebbi, bevor ihn Papst Johannes Paul II. 1999 zum Erzbischof der Diözese Gulu in Uganda ernannte. Zudem ist Odama Vorsitzender der ugandischen Bischofskonferenz. Vor allem während des 20 Jahre dauernden Bürgerkrieges in Uganda engagierte er sich nachdrücklich für Frieden und Versöhnung. Unter anderem verbrachte er drei Nächte mit Nachtpendlern - Kinder, die vor der Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten nachts in die Stadt Gulu flohen - unter freiem Himmel, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen.
Mehr Informationen auf der Internetseite des Misereor-Hilfswerkes http://bit.ly/NWAPNd