Ein Lehrfach "Europakunde"? Kaum ein Finger der deutschen und polnischen Jugendlichen erhob sich, als Moderator Mirko Schwanitz nach längeren Statements der Politiker und Pädagogen um Abstimmung bat. So hatte Christiane Gaethgens, Spitzenkandidatin der FDP für den Europawahl, den Schwerpunkt auf das Erleben der europäische Vielfalt gelegt. Die Möglichkeiten für den Schülerausstausch sollten erhöht werden. Und die Bildung der Lehrer, so dass sie möglichst ohne Parteiintressen darüber aufklären können, wie sich Europa wirtschaftlich, politisch und kulturell entwickelt. "Ich fürchte mich vor einem Schulfach Europa" gestand Christian Ehler, Europa-Abgeordneter der CDU. Er warb für einen verbindlichen Schüleraustausch, der die Kontakte und die Sprachkompetenz erhöht. "Wenn Sie einen Italiener geküsst haben, wird es Ihnen schwer fallen, gegen ihn Krieg zu führen", brachte Ehler eine höchst aktuelle Überzeugung zum Ausdruck. Iga Komocka von der Polnischen Schuman-Stiftung warb dafür, zwischen der EU und Europa zu differenzieren. Europa sei viel mehr als die EU. Zudem erschwere die eurokratische Terminologie den Zugang zu den tatsächlichen Problemen und Zusammenhängen. Der studentische Austausch über das Erasmus-Programm habe bereits viel dazu beigetragen, dass sich das junge Europa tatsächlich europaweit vernetzen kann.
Was Unternehmer darunter verstehen, wenn sie "Fit für Europa" meinen, das verdeutlichte Christian Ehler, als er von Bewerbungsgesprächen erzählte, die im von ihm aufgebauten Hennigsdorfer Biotechnologiezentrum stattfinden. Dabei gehe es in erster Linie um gute Sprachkenntnisse, Teamfähigkeit und Mobilität. Berufsstarter seines Unternehmens müssten in der Lage sein, in den Niederlassungen in Polen und anderen Ländern für einige Monate zu arbeiten. "Wenn Sie in unsere Firma kommen, sind Sie in Europa", erklärte Ehler. Firmensprache sei ausschließlich Englisch. Diese Vorstellungen stießen bei Barbara Czepik vom Warschauer Zentrum für pädagogische Fortbildung auf wenig Gegenliebe. Sie erinnerte daran, dass junge Menschen auch noch andere Aufgaben hätten, als alle halbe Jahre in einem anderen Land zu arbeiten. Sie seien es, die Familien gründen und sich eine Existenz aufbauen.
Simona Koß von der Seelower Förderschule, Anita Mielitz und Michael Tiedje von den Gymnasien in Seelow und Wriezen sowie Leszek Naumowicz vom Schulverbund Küstrin berichteten über ihre Erfahrungen mit europäischen Projekten und Partnerschaften. Sie alle betonten die Bedeutung der Bildungsstätte Trebnitz auf diesem Weg.
Großen Beifall gab es für die 16-jährige Seelower Gymnasiastin Laura Schabbert. Sie bekam von Landtagsabgeordneten Jutta Lieske und Melanie Ebell eine Urkunde des Landtags in Anerkennung ihres ehrenamtlichen Engagements, zum Beispiel im Oderlandjugendrat.