Seit 2009 gibt es den Integrationsverein in Seelow. Dessen Vorsitzende Marion Nowack machte im Bildungs- und Sozialausschuss die Grenzen der Ehrenamtler deutlich. Bei den betreuten Geflüchteten mache sich zunehmend Resignation breit.
Marion Nowack schilderte das klassische Beispiel, das allen Ankündigungen zum neuen Wohnverbund in Seelow widerspricht. Eine Frau sei von ihrer Gemeinschaftsunterkunft dort  eingezogen und habe zwei Tage später ihre Ausweisung mit Datum und Uhrzeit erhalten. „Es hieß, dass dort Flüchtlinge mit großen Bleibechancen untergebracht werden“, so die Vereinssitzende.
Was auch zutreffe, wie der Sprecher des Landkreises, Thomas Berendt, im Nachgang der Beratung auf MOZ-Anfrage versicherte. Die betreffende Frau habe diese Chancen, doch sie sei über ein Drittland eingereist und habe dort schon einen Asylantrag gestellt, werde dorthin ausgewiesen. „Es gibt durch das Bundesamt immer Einzelfallprüfungen“, erklärte Berendt. „Wir wissen nicht, wie sie ausgehen, haben keinen Einfluss auf die Entscheidungen, auch nicht auf die Dauer der Verfahren.“ Er nahm damit Bezug auf einen weiteren Aspekt, den Marion Nowack ansprach. „Wir betreuen schon seit mehreren Jahren Flüchtlingsfamilien in Seelow, viele aus Tschetschenien“, berichtete sie. „Zu Beginn gab es eine große Euphorie. Die Familien haben sich eingebracht, Kurse besucht, Kinder in die Einrichtungen geschickt und Veranstaltungen genutzt.“ Doch die vom Staat geförderten Unterstützungsmaßnahmen sind zeitlich begrenzt. „Wer sechs Jahre nur zu Hause sitzt, der wird frustriert, mitunter auch aggressiv und verschließt sich zunehmend“, so ihre Erfahrung. Dies führe letztlich auch zu viel Schwarzarbeit, weil sich die Menschen beschäftigen wollen. Sie zögen sich zudem immer stärker in alte Kulturrituale zurück, womit Integration scheitere. Erstmals habe man deshalb in diesem Jahr kein Zuckerfest feiern können.
„Die lange dauernden Verfahren sind ein Problem, das eine Kommunalverwaltung nicht lösen kann“, stellte Berendt klar. Es gebe enorme bürokratische Hürden. Die Menschen müssten Papiere vorlegen, sich von Botschaften ihre Identität bescheinigen lassen. Die aber verlangten Dokumente aus den Herkunftsländern. Dort gebe es schon Kanzleien, die für viel Geld Papiere beschaffen. Dieses Geld wiederum fehle den Betreffenden. So zögen sich Bearbeitungen über Jahre hin. Ein Landkreis könne mit seinen Mitteln diesen Kreislauf nicht durchbrechen.
In Bezug auf den neuen Wohnverbund, der gegenwärtig am Stadion entsteht, sieht Marion Nowack weitere Probleme. Bisher hätten die Kita-Plätze in der Stadt ausgereicht. Jetzt sind die Einrichtungen belegt. So fehle eine wichtige Säule der Integration, die gerade über Kinder oft sehr gut funktioniere.
In einer Beratung wollen Vertreter des Kreises, der Stadt sowie des Betreibers des Wohnverbundes, dem Internationalen Bund, und des Integrationsvereins die Probleme besprechen. Seelows Fachdienstleiter Frank Möricke machte deutlich, dass die Kapazitäten der Kitas und auch der Grundschule erschöpft sind. Die neue Kita, die die Johanniter-Unfallhilfe auf dem Areal des CJD in der Apfelstraße bauen will, wird frühestens in eineinhalb Jahren fertig. Bürgermeister Jörg Schröder informierte über das Angebot der Begegnungsstätte „Das Nest“, dort für eine Übergangszeit Eltern-Kind-Gruppen aufzunehmen. Was sie begrüßen würde, so Susanne Röllig-Silex im Ausschus. Die Leiterin der Kita „Arche Noah“ sagte, dass sie es in der Anfangsphase als ungünstig sehe, wenn Kinder von ihren Familien getrennt bleiben. Eltern-Kind-Gruppen würden den Start für alle erleichtern. „Wir sind dafür sehr aufgeschlossen“, versicherte Berendt. Bezüglich der Schulkinder sei das staatliche Schulamt gefordert. Es ist zuständig für die Umsetzung der Schulpflicht. Auch das soll am 16. November besprochen werden.