Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zum Antrag der Odega-Tochter Landwirtschaft Golzow, die alten Kuhställe zur Hähnchenmastanlage umzubauen, fand am Dienstag die Erörterung der 85 Einwände statt. Einige Hinweise werden nun noch mal geprüft.
Nicht alle der rund 130 Einwohner aus der Region, die mit ihrer Unterschrift erklärt hatten, gegen die geplanten Mastanlagen in den alten Kuhställen an der Genschmarer Straße in Golzow zu sein, haben auch schriftlich Einwendungen formuliert. So waren die beiden Stuhlreihen der Einwender zum Erörterungstermin im Gasthaus Wagner kaum gefüllt. Und doch entspannte sich zu jedem Themenschwerpunkt eine gründliche Diskussion. In der kamen auch Argumente zur Sprache, die das Landesamt für Umwelt, das das Verfahren führt, veranlassen wird, die Details zu prüfen. André Tschiegener von der Cottbuser Dienststelle des Landesamtes brauchte einige Zeit, ehe es gelang, die notwendige Beschränkung auf das Wesentliche der Einwendungen zu erreichen. Er machte zunächst aber die Bedeutung der Veranstaltung für das Verfahren deutlich: „Sie sind für uns eine zusätzliche Fachbehörde“, wandte er sich an die Einwender. Denn die Vor-Ort-Kenntnisse, die die Betroffenen haben, könnten Schwachstellen im Verfahren aufdecken helfen. Für die Odega-Gruppe erläuterte Robin Kubitza vom SFi-Institut das Vorhaben. Demnach soll der erste der sechs alten Ställe stillgelegt werden. Die anderen fünf werden nach dem Fairmast-verfahren umgebaut. Sie bekommen wie in Sachsendorf Wintergärten. In den Ställen 2 bis 4 werden jeweils 13 220 Hühner und Hähnchen Platz haben. In Stall 5 werden es 16 250 und in Stall 6 16 440 Vögel sein. So entstehen insgesamt 72 350 Tierplätze. Die Vorschriften der EU werden zu Gunsten des Tierwohls in mehreren Punkten unterboten. Die Tiere leben länger und haben mehr Platz.
Zunächst standen Verfahrensfragen im Mittelpunkt. Peter Tiedke von der Golzower Bürgerinitiative schilderte die Mühsal, die es bereitet habe, die 800 Seiten umfassenden Unterlagen zu durchforsten. Er mahnte an, dass solche Unterlagen künftig digital zur Verfügung stehen müssten. „Es kann nicht sein, dass dafür der Kopierer im Amt Golzow verglüht werden muss“, erklärte er. Die Beteiligung der Einwohner werde dadurch erschwert, wenn nicht sogar verhindert. Als André Tschiegener einwandte, dass eine digitale Fassung gesetzlich nicht vorgeschrieben sei, entgegnete Tiedke, dass sie aber auch nicht verboten sei.
Geprüft wird der Einwand der Bürgerinitiative, dass die Kuhställe möglicherweise ihren Bestandschutz längst verloren haben, weil der Betrieb bereits  2016 die Aufgabe Milchviehhaltung erklärt hatte. Dies hätte Auswirkungen für das Verfahren, da bestandsgeschützte Immissionswerte nicht mehr herangezogen werden könnten.
Zu prüfen hat das Umweltamt auch, ob die bewohnten Grundstücke tatsächlich mit ihrer richtigen Lage im Innenbereich bewertet wurden. Christian Dorn verwies darauf, dass sein Wohngrundstück bei der Belastungsanalyse als im Außenbereich liegend vermerkt worden war.
Die Erörterung der Einwendungen nahm den ganzen Tag in Anspruch. Ein Ergebnis gibt es nicht. In den kommenden Wochen muss sich das Landesamt mit den Ergebnissen der Erörterung befassen und wird sich dann dazu äußern, erklärte André Tschiegener.