Viele Emotionen schlugen am Dienstagabend bei der Informationsveranstaltung zum Thema Wohnverbund für Flüchtlinge in Seelow hoch. Landrat Gernot Schmidt (SPD) hatte ins Kreiskulturhaus eingeladen. AfD-Abgeordnete erläuterten, warum sie den Wohnverbund ablehnen.
Warum soll Seelow weitere Flüchtlinge bekommen? Eine Frage, die so manchen Kreisstädter bewegt und die Moderator Ray Kokoschko vom mobilen Beratungsbüro gleich am Anfang Landrat Gernot Schmidt stellte. Weil dies eine logische Konsequenz des Weges ist, den Märkisch-Oderland in der Flüchtlingspolitik seit 2015 gewählt hat, erläuterte Schmidt. In den Wohnverbund würden ausschließlich Flüchtlinge aus im Kreis bestehenden Gemeinschaftsunterkünften wie Neuhardenberg, Gusow, Bliesdorf oder Hoppe-garten einziehen, keine aus der Erstaufnahme Eisenhüttenstadt. „Es sind Familien mit einer großen Chance, dass sie ein Bleiberecht erhalten“, sagte Schmidt.  Wenn Menschen mit solch einem Status in normale Wohngebiete ziehen, sei dies ein sinnvoller Schritt für eine Integration.
Vizelandrat Friedemann Hanke (CDU) sprach von 70 bis 90 Personen, die in den 22 Wohnungen Am Stadion untergebracht werden – beginnend ab Oktober. Er verwies auf die guten Erfahrungen, die der Kreis bei der Unterbringung von Flüchtlingen mit hohen Anerkennungschancen gemacht hat. Hans-Peter Thierfeld, Geschäftsführer der Seelower Wohnungsbaugesellschaft, informierte, dass von den 1300 kommunalen Wohnungen in der Stadt bisher 37 an Flüchtlinge vermietet sind. Die 22 Wohnungen befänden sich in verschiedenen Aufgängen – zwei bis drei pro Aufgang. So wolle man einer Zentralisierung entgegen wirken. Im langen Wohnblock 4 bis 15 Am Stadion gebe es zehn Aufgänge. In sieben Wohnungen lebten bereits Flüchtlingsfamilien mit Aufenthaltsstatus. Mit einem Wohnverbund in Worin –  24 Wohnungen – habe man gute Erfahrungen gemacht. Das unterstrich auch Eva-Maria Henkel vom Internationalen Bund Neuenhagen. Er wird den Seelower Wohnverbund betreuen, ein Büro einrichten und mit Sozialarbeitern sowie Heimleiter Ansprechpartner sein. „Nicht nur für die Flüchtlingsfamilien, auch für alle anderen Mieter, wenn sie Probleme im Zusammenleben sehen“, sagte Henkel.
Die Erläuterungen der Vertreter im Podium wurden immer wieder durch Zwischenrufe und lautstarke Protete unterbrochen. „Wie wollen Sie die Sicherheit der deutschen Bewohner sichern?“ fragte ein Bürger.  Polizeidirektor Sven Brandau versicherte, dass es bisher nirgendwo im Kreis in Orten mit Unterkünften zu einer Häufung der Kriminalität gekommen sei. Man arbeite eng mit dem Kreis und dem Betreiber zusammen. Die Seelower Wache sei rund um die Uhr besetzt. Die Frage des AfD-Landtagsabgeordneten Wiese, wie viel Polizisten genau zu welcher Tageszeit in Seelow präsent sind, könne er so nicht beantworten. Im Inspektionsbereich gebe es eine Schutzpolizei mit 140 Beamten im Wach- und Wechseldienst, sieben Funkwagen und die jeweiligen Revierpolizisten. Der Einsatz erfolge über Strausberg und entsprechend der Lage.
Der AfD-Kreistagsabgeordnete Detlev Frye warf Landrat Schmidt Täuschung vor. Die meisten Abgeordneten hätten nicht gewusst, was sie im jüngsten Kreistag letztlich beschließen. Dies wies Friedemann Hanke vehement zurück. „Der Verbund war seit Februar Thema im Gesundheitsausschuss. Vertreter Ihrer Fraktion haben das ganze vergangene Jahr an keiner Sitzung teilgenommen“, sagte er. Frye blieb bei seiner Kritik zur Vergabe. 440 000 Euro sind für das Projekt Wohnverbund im Jahr vorgesehen, davon etwa 200 000 Euro für Miete. Die restliche Summe gehe an den IB. Frye sprach, wie auch einige Bürger, von einer „Flüchtlings-Industrie“, die damit viel Geld verdiene.
Landrat Schmidt wies dies zurück. Eine Begleitung sei unerlässlich, weil es eben um Integration und Einbindung vor Ort gehe. Dies könne nicht vom Kreis geleistet werden.  Frank Möricke sicherte seitens der Stadtverwaltung zu, dass das Projekt Wohnverbund mit begleitet wird. Man werde auch verstärkt das Thema Ordnung und Sicherheit in diesem Bereich kontrollieren.
Gernot Schmidt sicherte zu, dass er nach einem halben Jahr erneut zu einer Informationsveranstaltung einladen werde. „Dann haben Sie und haben wir die ersten Erfahrungen, können darüber reden, was funktioniert und was nicht.“ Er appellierte, sich gemeinsam der Aufgabe zu stellen. Denn eine der Forderungen des Abends – keine Flüchtlinge aufzunehmen – sei nicht umsetzbar. Der Kreis erfülle lediglich die Verpflichtungen, die ihm der Bund auferlegt. Das sei keine Ermessensfrage.