An jenem Freitagabend fuhren unsere Leser wie gewohnt die B 1, als es plötzlich blitzte. Er sei sogar zurückgefahren, weil er sich nicht erklären konnte, warum, berichtet Berndt Gnilka. Die Lösung machte ihn und auch Dräger fassungslos. Die 70-Schilder seien einfach zur Seite gedreht worden. Damit galt das Ortseingangsschild und somit 50 km/h als Höchstgeschwindigkeit. Am besagten Tag waren wehr als 2000 Fahrzeuge gemessen und mehr als 600 geblitzt worden.
Für unsere Leser sei es "blanke Abzocke". Tim Dräger kündigte bereits an, dass er gegen einen Bußgeldbescheid in Widerspruch gehen wird. Bernd Gnilka gesteht, dass er bisher zu denen gehörte, die eine Polizeipräsenz an möglichst vielen Orten immer befürwortet haben. Der Fall aber habe nichts mit Prävention oder Verkehrserziehung zu tun. Ihn erinnere das einfach nur an die Legende vom Wegelagerer Stülpner Karl.
Bei der Polizeiinspektion verweist man auf eine Anordnung durch das Straßenverkehrsamt des Landkreises. Die Beamten würden lediglich die Umsetzung kontrollieren. Uwe Koch, Leiter der Straßenverkehrsbehörde, bestätigt die ungewöhnliche Aktion - die es im übrigen nicht nur an jenem Freitag gab.
Die Behörde habe in Abstimmung mit der Polizei eine verkehrsrechtliche Anordnung erteilt. Die gilt vom 24. August bis zum 26. Oktober. Sie beinhaltet, dass an jedem Freitag ab 19 Uhr bis zum Sonnabend, 1 Uhr, besagter Abschnitt in Vogelsdorf von den sonst üblichen 70 auf 50 km/h begrenzt wird. Danach werden die 70-Schilder wieder umgedreht. "Wir haben hier eine Gefahrenlage", erklärt Koch. Es habe massive Ampelrennen gegeben. Offensichtlich sind Spaßfahrer aus dem Berliner Raum ins Umland ausgewichen, um ihre Autos im Sprint zu testen und sich mit Ampelrennen den nötigen Kick zu verschaffen.
Mit der Maßnahme erhoffen sich Polizei und Verkehrsbehörde, dass die Rennen nicht mehr stattfinden, sagt Koch. Er verweist darauf, dass Autofahren nie zur Gewohnheit werden dürfe. Man müsse jeden Tag auf Verkehrsschilder achten, könne nicht auf Gewohnheitsrecht bestehen. Warum die Polizei, wenn sie schon vor Ort ist, nicht die Ampelhopser herausfischt und stattdessen alle Kraftfahrer in Kollektivhaftung nimmt, bleibt dennoch ein Rätsel.
Normalerweise erlaubt: 70 km/hFoto: Dirk Schaal
Dauerkraftfahrer können derzeit jeden Freitagabend auf der B 1 in Vogelsdorf in die Radarfalle tappen
*Name von der Redaktion auf Wunsch des Betroffenen geändert