Michael Pommerening war vor ein paar Monaten auf dem Weg zum Einkauf in der Landfleischerei Dolgelin auf das Häuschen aufmerksam geworden: Verwaist und vom Verfall gezeichnet, stand das alte Wiegehaus da, direkt an der Maxim-Gorki-Straße. Auf der fahren täglich Hunderte Schulkinder zur kaum 200 Meter entfernten Dolgeliner Grundschule und Mitarbeiter sowie Kunden Dolgeliner Betriebe vorbei. "Einige Scheiben waren eingeschlagen, die alte Holztür war kaputt", erinnerte sich Michael Pommerening vor den Gästen der kleinen Einweihungsfeier für die Galerie TRAFO.2.
Denn für den geistigen Vater der Kleinsten Galerie Brandenburgs im ehemaligen Trafohaus seines Wohnortes Regenmantel stand schnell fest: Das alte Wiegehaus passt ins Konzept! "Zum Gesamtprojekt Kleinste Galerie sollen drei kleine, alte Bauten der jüngeren Industriearchitektur gehören", erklärt Pommerening. Als drittes Galeriegebäude schwebt dem freiberuflichen TV-Journalisten ein leer stehendes einstiges Feuerwehrhäuschen vor.
Bei den Gemeindevertretern von Lindendorf, zu dem Dolgelin gehört, stieß die Galerie-Idee auf Gegenliebe. Sie haben Michael Pommerening das Wiegehaus und seinen Vorplatz verpachtet - für ein jährliches Nutzungsentgelt von 12 Euro. In Dolgelins Ortsvorsteher Helmut Franz und seiner Baufirma, in Elektriker Frank Redlich, der örtlichen Tischlerei und Glaserei Müller, der Schlosserei Leder und Weiß und anderen fanden Pommerening und sein Verein "Kunstregen" engagierte Helfer. Sie reparierten und sanierten das in den 50er Jahren erbaute und seit der Wende leer stehende Wiegehaus. Frank Redlich installierte eine Beleuchtungsanlage.
Denn zwischen 16 und 22 Uhr gehen in der Galerie TRAFO.2 das Licht und die Musik an: Leise, beruhigende Töne begleiten den Betrachter beim Blick durch die neue Scheibenfront.
Dahinter sind in acht großen Rahmen Kostümentwürfe für Theaterfiguren aus Stücken wie "Don Juan oder Der steinerne Gast", "Katharina Knie" und "Die hellen Haufen" zu sehen. "Über Leben, Tod und Teufel. Arbeiten für das Theater" hat Bühnen- und Kostümbildnerin Sabine Pommerening ihre erste Ausstellung für die neue Galerie überschrieben. Zu sehen sind in dem kleinen Raum neben Inszenierungsfotos auch zwei Bühnenbildmodelle.
Die Ausstellungen sollen etwa alle sechs Wochen wechseln - wie in der Galerie TRAFO.1, kündigt Michael Pommerening an. Die Schauen im rund zwölf Kilometer entfernten Regenmantel hätten seit der Eröffnung im Juni 2012 schon mehr als 2000 Besucher gesehen, berichtete der Initiator.
Wie in Regenmantel hat auch in Dolgelin Holzbildhauer Karl Witzleben das Umfeld der Galerie gestalterisch aufgewertet. Neben dem alten Wiegehaus steht seine Skulptur "Die vier Schwestern". Davor laden eine Bank und ein Tisch zum Verweilen und Picknicken ein.
Zum künstlerischen Gesamterlebnis hat Sängerin Heike Matzer die Galerie-Eröffnung gemacht: Die Lieder über das Leben und die Liebe, gesungen mit ihrer vollen, warmen Stimme, brachten der Kienitzerin stürmischen Beifall ein.