Viele Köche verderben den Brei. Solche Sprichwörter haben zumeist einen realen Hintergrund. Aber stimmen müssen sie nicht immer. Das haben dieser Tage zwei Köche bewiesen, die im Oderbruch als Meister ihres Faches gelten: Stefan Hessheimer von der Galerie "Koch & Kunst" in Groß Neuendorf und Marcel Fragola vom Gasthaus und Pension "Radler’s Hof" in Gieshof- Zelliner Loose.
"Unsere Wirkungsstätten liegen Luftlinie nur sechs Kilometer voneinander entfernt. Jeder hat schon viel vom anderen gehört. Da haben wir uns gesagt - warum nicht einmal gemeinsam etwas kreieren", erzählt Stefan Hessheimer, dessen Kochkurse längst weit über die Region hinaus Bekanntheit erzielt haben.
Sinfonie der Gaumenfreuden
Und so lud er in seine Küche nach Groß Neuendorf ein - für ein Duettkochen und Wetteifern am Herd. "Im Vorfeld hatten wir uns überlegt, dass wir ein Mehr-Gänge-Menü kreieren, zu dem jeder einen eigenen, unverwechselbaren Part beisteuert", sagt Marcel Fragola. Eine Idee, die zu einer Sinfonie der Gaumenfreuden werden sollte. Das Anfangsgericht bringt Marcel Fragola mit. Der gebürtige Schweizer, der viele Jahre als Hotelmanager in Französisch Polynesien gelebt und gearbeitet hatte, zauberte ein Nationalgericht aus der Südsee: Poisson cru, das ist roher Fisch an Gemüse in Kokosmilch. "Ein Gericht, das man hier wenig kennt, das bei unseren Gästen aber immer gut ankommt", so der Küchenchef von "Radler’s Hof".
Danach wird es bodenständiger. Stefan Hessheimer, der gelernte Berliner Fotograf, der das Kochen zu seiner zweitwichtigsten Leidenschaft erkor und diese nach und nach perfektioniert hat, tischt  Rote Bete in Curry-Soße mit geräucherter Quappe auf. Das Besondere daran: Der Fisch wird frisch in einem speziellen Topf über Buchenspänen auf dem Herd geräuchert. Frischer geht’s nicht. Der Groß Neuendorfer Kochlehrer plaudert dabei über Küchentraditionen aus dem Oderbruch. Rote Bete sei hier ein sehr altes und bodenständiges Gemüse. Sorten wie Blumenkohl, Spinat oder Fenchel waren erst nach 1871 im Bruch bekannt geworden. Zudem habe man bis ins 20. Jahrhundert hinein in der Region noch vorwiegend Körner anstelle von Kartoffeln gegessen.
Inzwischen ist der Fisch im Räuchertopf fertig und kann probiert werden. "Köstlich", so das Urteil der kleinen Test-Esser-Runde in den Groß Neuendorfer Galerie-Räumen. Das gilt auch für die Fischsuppe, die der Meister am Herd zeitgleich aus den nicht geräucherten Fischteilen zubereitet hat. Nach so viel Bodenständigem wird es wieder Zeit für eine Prise Exotik. "Mahi Mahi a la Vanille" wird Marcel Fragola jetzt auf den Teller bringen. Schon der Namen ist Exotik pur. "Dabei handelt es sich um eine Goldmakrele aus der Südsee, die ich mit einer speziellen Vanillesoße zubereite", verrät der Schweizer, der seine Kochkünste perfektionierte, indem er - 23 000 Kilometer von der Heimat entfernt - den Einheimischen beim Kochen aufmerksam über die Schulter geschaut hat. Die pikante Vanillesoße mit leicht säuerlichem Einschlag löse immer wieder bei vielen seiner Gäste ein Aha-Erlebnis aus, verrät Marcel Fragola. Soviel Kulinarik toppen kann jetzt nur noch ein abschließendes Dessert.
Ständiges Üben ist nötig
Das haben sich die beiden gemeinsam ausgedacht: eine Eiscreme aus Magermilch an Kürbis mit Zitrone, Ingwer und Koriander. Hier kommt es genau auf den richtigen Zeitpunkt an, um das Ganze perfekt abgestimmt in der gewünschten Konsistenz auf den Tisch zu bringen. "Das muss ständig geübt werden", verrät Stefan Hessheimer. Am Ende gibt es auch hierfür schließlich die Bewertung "Vorzüglich". Nach soviel gemeinsamen Kochens und Plauderns mag bei so manchem Außenstehenden die Frage kommen: Wofür war das Ganze gut? Hessheimer: "Wir haben beide viel Spaß am Kochen und Experimentieren. Und wir wollen in Zukunft gemeinsam noch mehr auf die Beine stellen." Eines dieser gemeinsamen Projekte werden die Besucher von "Radler’s Hof" am Valentinstag, dem 14. Februar, erleben.