Harald Piczynski kann es kaum glauben, dass sich an dem wenig einladenden Zustand der Straße und des Vorplatzes zum Bahnhof nun wirklich bald einiges verändern soll. Er ist Leiter des Objektes der ehemaligen Käsefabrik. Seit Jahren hoffe man, passiert sei noch nichts. Eine Sanierung wäre auch für die Visionen seines Arbeitgebers, der innova-paper-form GmbH, ganz wichtig, sagt er. Der Besitzer habe unter anderem auch für das Bahnhofgebäude Ideen.
Die Straße zum Seelower Bahnhof und der Platz davor gleichen derzeit einer Loch-an-Loch-Landschaft. Von der einstigen Asphaltdecke sind nur Bruchstücke erhalten. Überall scheint das Kopfsteinpflaster durch. Der Straßenkörper weist viele Verwerfungen auf. Bahnreisende können ein Lied davon singen.
Trotz dieser schlechten Bedingungen ist der Bahnhof noch immer für viele einer wichtiger Anlaufpunkt. 130 Menschen steigen hier jeden Tag ein und aus. Es sind Berufsschüler, Pendler Richtung Frankfurt (Oder) und auch Schüler der weiterführenden Einrichtungen in der Stadt, die täglich die Buckelpiste zum Bahnhof nutzen. Es sollten deutlich mehr werden, sieht es Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger. In seinem Ministerium wird gerade der neue Landesnahverkehrsplan erarbeitet. In dem geht es auch um den Erhalt von Bahnstrecken. Mit entscheidend dafür ist die Nutzerzahl. Mit vernünftigen Umfeldbedingungen werden Reisende gelockt, weiß Vogelsänger aus seinen Statistiken. "Überall, wo wir in Park- und Reise-Plätze investiert haben, ist die Nutzerzahl gestiegen", berichtet er am Tisch von Bürgermeister Jörg Schröder (parteilos). Der erzählt mit Bauamtsleiter Jörg Krüger von den jahrelangen Bemühungen, Geld für die Umfeldgestaltung zu bekommen. Nun endlich hat es geklappt. Für 250 000 Euro wird 2013 die Straße bis hoch zur alten B 1 saniert. Zudem entstehen 15 Parkplätze. Eine Wendeschleife für Busse soll gebaut werden und auch für Fahrräder wird es eine Unterstellmöglichkeit geben. Die Stadt schießt 63 000 Euro als Eigenanteil zu.
"Hier wird etwas Komplexes geschaffen, das vielen Bürgern zugute kommt", ist der Minister überzeugt. Das Seelower vorhaben sei eine gute Ergänzung zu den Projekten entlang der Ostbahn, die über den Knoten Werbig auch von Seelow aus erreichbar ist. Aus seiner Sicht sei es eine gute Entscheidung der Kommunen, in diese Infrastruktur zu investieren. Denn viele müssten nun mal zur Arbeit pendeln. Um dennoch Menschen in der Region zu halten, seien gute Bahnanbindungen genauso wichtig wie vernünftige Straßen. Gerade in Märkisch-Oderland sei diesbezüglich schon viel passiert.
Vogelsänger macht mit einem weiteren Förderbescheid deutlich, dass Potsdam die ländliche Region keinesfalls abhängen will. 300 000 Euro hat er mitgebracht, um die interkommunale Zusammenarbeit der Ämter und Gemeinden des Altkreises Seelow weiter zu forcieren. Das Geld ist eine direkte Auswirkung der Zusammenarbeit im Moro-Projekt (Daseinsvorsorge). Der Minister betont, dass es künftig nur noch Fördermittel gibt, wenn vor Ort zusammengearbeitet wird. Durch Moro kam die Region in das auf zehn Jahre angelegte Förderprogramm, über das - ähnlich der bisherigen Städtebauförderung - Geld für Vorhaben fließt. Die Region muss dafür ein Mittelzentrumsentwicklungkonzept und einen Umsetzungsplan erarbeiten. Es geht vor allem um die Stärkung von Kernbereichen, in Seelow z.B. um die Entwicklung des leerstehenden Kaufhaus-Areals. Im Moro-Beirat werden derzeit alle Vorhaben zusammengetragen. Mit dem Fördergeld kann die Planung finanziert werden.