Ein Blick von der dringend sanierungsbedürftigen Fußgängerbrücke, die die Küstrin-Kietzer Ortsdurchfahrt mit dem Bahnhof verbindet, genügt, um das Problem zu erkennen: Der gesamte Bereich auf der Landestraße parallel zur Bahnstrecke und beiderseits der Bahnhofstraße ist zugeparkt. "Das birgt ein gewaltiges Risiko. Im Notfall kommen da weder Rettungswagen noch Löschfahrzeug durch", erklärte Ortsvorsteher Gerhard Schwagerick. Seine Darstellung in der Gemeinderatssitzung hat die Golzower Amtsverwaltung bereits zum Anlass genommen, um die Bahn AG aufzufordern, eine Parkordnung festzulegen. In einem ersten Antwortschreiben erklärte die Bahn zunächst einmal noch die Zuständigkeiten für die Festlegung einer Parkordnung dort zu ermitteln, informierte Amtsdirektor Lothar Ebert.
In der Tat sind die Verhältnisse auf dem Bahnhof komplex. Der Gemeinde gehört das erste Teilstück der Bahnhofstraße. Ein zweites Teilstück, das bis zum Bahnhofsvorplatz reicht, gehört noch der Bahn und damit dem Bund. Das Bahnhofshaus hat die NEB ersteigert. Bereits vor längerer Zeit hatte die Gemeinde aber die öffentliche Widmung der gesamten Bahnhofszufahrt beantragt und damit die Verkehrsicherungspflicht für die komplette Straße übernommen, erläuterte Lothar Ebert. Dabei hatte die Gemeinde keine Wahl, wenn sie nicht riskieren wollte, dass die Küstrin-Kietzer gar nicht mehr zu Bahnhof kommen. Weder die Bahn noch die NEB als Betreiber der Strecke haben dafür die Verantwortung übernommen. Im August hatte die Gemeinde auch die Übertragung des zweiten Teils der Bahnhofstraße beantragt. Und wird somit neben der Verkehrssicherung auch die Baulast tragen.
Eine vorherige Sanierung der Straße, wie es zum Beispiel bei der Übertragung von Landesstraßen auf Kommunen üblich ist, werde es bei der Bahn nicht geben, erläuterte Ebert. Die Bahn handelt dabei wie ein Privatunternehmer. Nimmt die Gemeinde die Straße nicht, dann verkauft sie das Grundstück an den Meistbietenden und die Zufahrt ist passé. Zudem bürdet die Bahn der Gemeinde auch die Vermessungskosten auf. Und das, obwohl die Kommune, anders als die Bahn, finanziell dafür überhaupt nicht ausgestattet ist. Ähnliche Folgen der Bahnprivatisierung hatte Küstriner Vorland bereits bei der Schließung des Bahnübergangs Vorflutbrücke und bei dem Versuch, die alten Schienen aus der Karl-Marx-Straße in Höhe Oderbruchstraße zu bekommen, erlebt.
Ebenfalls unerhört blieb bisher der Wunsch der Gemeinde nach einer ebenerdigen Zufahrt zum Bahnhof, die die nicht behindertengerechte und marode Fußgängerbrücke überflüssig machen würde. Bereits Astrid Bialek hatte als Ortsvorsteherin mit einer Arbeitsgruppe ein Konzept dafür erarbeitet, wie mit einem Erwerb eines Teilstücks der ehemaligen Güterbahnhofsfläche sogar ein Parkplatz für die Pendler aus beiden Teilen Küstrins eingerichtet werden könnte.
Anfänglich hatte sich die Bahn noch offen dafür gezeigt, das Grundstück zu teilen und der Gemeinde die Zufahrt zu ermöglichen. Davon sei sie aber jetzt abgegangen, informierte der Amtsdirektor über den aktuellen Stand der Verhandlungen. Er verwies zudem auf Probleme, die auf die Gemeinde zukämen, würde sie ein Teilstück des Güterbahnhof erwerben. "Jahrzehnte sind dort Güter verschiedenster Art abgefertigt worden. Möglicherweise liegt dort auch radioaktives Material im Gleisbett. Auf jeden Fall müsse die Abfallbehörde informiert werden, wenn dort etwas entstehen soll", so Ebert.
Mit dem Erwerb der Bahnhofstraße sei die Gemeinde aber in der Lage, sich um eine Förderung zu bewerben.