"Wir führen dort lediglich noch einige Sicherungsmaßnahmen durch", erklärte Detlef Brauer, Geschäftsführer der Odega-Gruppe, deren Tochter der Investor, die Landwirtschaft Golzow, ist. Im Februar sollte dort der erste Stall fertig werden. Insgesamt sollen dort rund 72 000 Tiere gemästet werden.
Für ihn komme der Beschluss nicht überraschend, so Brauer. Solche Verfahren seien inzwischen bei der Mehrheit der Genehmigungsverfahren in der Landwirtschaft in Deutschland an der Tagesordnung. Odega habe inzwischen Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt. Das Verfahren werde jetzt beim Oberlandesgericht verhandelt werden. Er bedauert die damit verbundene Verzögerung auch in Hinblick auf die am Umbau beteiligten Firmen aus der Region.
Die Interpretation des Sprechers der Bürgerinitiative Golzow werde er nicht kommentieren. Er gibt aber zu bedenken, dass das spiegelgleiche Verfahren für Sachsendorf durchlaufen wurde und die Anlagen dort genehmigt wurden. Dort könne man sich ein Bild vom Betrieb und von der Geruchsbelästigung machen. "Die FairMastanlage in Sachsendorf wurde vom Land als Demonstrationsanlage ausgewiesen", betont Brauer. Jedermann sei eingeladen, sich dort sachkundig zu machen.
Die Bürgerinitiative hingegen informiert auf ihrer Internetseite "Unser Golzow", dass ihr seitens des Veterinäramtes Märkisch-Oderland Einblicke in die Unterlagen des Betriebes der FairMastanlage in Sachsendorf verwehrt worden seien. Den Beschluss des Verwaltungsgerichts Frankfurt sieht die Bürgerinitiative als Etappensieg auf dem Weg, "unser Oderbruch mit seiner einmaligen Natur und Landschaft vor einer Invasion von ausschließlich profitorientierten Investoren mit ihren Massentierhaltungen zu bewahren."
In den vier Sachsendorfer Ställen werden rund 70 000 Masthähnchen aufgezogen, bis sie 56 Tage alt sind und nach Storkow in den Schlachthof kommen. Der holländische Geflügelhersteller Plukon hatte das FairMast-Konzept vor über zehn Jahren in den Niederlanden entwickelt und will es jetzt zusammen mit Landwirten, Händlern und dem Deutschen Tierschutzbund in Deutschland etablieren. Die Betriebe werden nach Standards der Tierschützer von unabhängigen Zertifizierungsstellen bewertet und von diesen standardmäßig unangemeldet kontrolliert, heißt es beim Tierschutzbund.
Die FairMast-Hähnchen und Hennen in der Landwirtschaft Golzow leben länger als in der konventionellen Mast: 56 Tage statt 38 Tage. Sie haben mehr Platz als die Artgenossen in den üblichen Massenställen: Auf den Quadratmeter kommen 25 Kilo Huhn. In der herkömmlichen konventionellen Mast bis zu 39 Kilo. Das sind rein rechnerisch bei einem Schlachtgewicht zwischen anderthalb und 2,5 Kilo mindestens zehn Hühner im Vergleich zu mindestens 16.
Die Hühner hocken auf Sitzstangen und Strohballen und haben einen Kaltscharrraum, einen überdachten Auslauf mit Tageslicht. Dafür kostet das Fleisch der FairMast-Hähnchen an der Ladentheke 30 bis 35 Prozent mehr als das der Hähnchen aus konventioneller Haltung. Es wird zudem als Frischware gehandelt.