Zwischen Frankfurt und Wriezen bauen von der Deutsche Bahn (DB) Netz AG beauftragte Firmen an Gleisen und Brücken. Das Ziel dieser umfangreichen Bauarbeiten ist es, eine Zeitersparnis von fünf Minuten zu erreichen. Nicht nur, um die Strecke für Fahrgäste attraktiver zu machen, sondern auch, um den RE1 nach Frankfurt pünktlich zu schaffen. Die Langsamfahrstellen sollen verschwinden.
Zu den Arbeiten gehört nicht nur die teilweise Kompletterneuerung von Bahngleisen, sondern auch die Instandhaltung und Erneuerung von acht Brücken. Dazu gehören auf dem Bauabschnitt zwischen Frankfurt und Letschin - allein dafür werden 5,5 Millionen Euro aus Bundes- und Eigenmitteln investiert - die Gewölbebrücke in Friedersdorf und auch die Werbiger Brücke über die alte Oder.
"Die Friedersdorfer Gewölbebrücke etwa wird neu gebaut", erklärt Projektleiter Mario Dambrowsky. Doch bevor die alte Brücke abgerissen werden kann, müssen die Bauarbeiter erst einmal ausharren. Denn der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat rund um die Baustelle alle Hände voll zu tun. "290 Bohrungen werden an dieser Stelle durchgeführt", erklärt der Projektleiter. Schichten der Erde müssen abgetragen, die einzelnen Gebiete mit einer Sonde abgesucht werden.
Bislang ist auch schon einiges gefunden worden. Sowohl in Friedersdorf als auch am Seelower Bahnhof - dort werden etwa 800 Meter Gleise erneuert - sind Infanterie-Munition, Hand- und Gewehrgranaten sowie Panzerfäuste gefunden worden. Etwa vier Wochen wird das Absuchen des Gebietes noch dauern. Um die Anwohner vor den Gefahren zu warnen, sind Zettel an die Absperrungen angebracht worden. Doch darauf nehmen die wenigsten Rücksicht und verschieben die Absperrung einfach, sobald niemand mehr an der Baustelle zu sehen ist. "Das ist sehr gefährlich", betont Dambrowsky. "Solange dort sondiert wird, ist es nicht möglich, die Straße nur halbseitig zu sperren." In der nächsten Woche werden die Bauarbeiten in Friedersdorf unterbrochen - aus Rücksicht auf die Maisernte. Dann werden die Erntefahrzeuge die Straße zwischen Friedersdorf und Ludwigslust befahren können.
Bei den Brückensanierungen, wie etwa in Werbig, haben die Planer immer abgewogen, ob eine Instandhaltung ausreichend ist. "In Friedersdorf war das nicht der Fall. Allerdings werden wir historisch wertvolle Teile des Mauerwerks, an denen die Spuren der Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg noch immer sichtbar sind, herausnehmen und an den Heimatverein übergeben", erklärt Mario Dambrowsky die aufwendige Zusatzaufgabe. Die Denkmalschutzbehörde hatte die Gewölbebrücke als nicht schützenswürdig eingestuft, die Stellen mit den Spuren des Krieges allerdings schon. Dokumentiert und festgehalten wurde die alte Brücke allerdings trotzdem - virtuell und in Plänen aus Papier. Diese Unterlagen sind an die Behörde übergeben worden.
An der Werbiger Instandhaltungsbrücke über die Bahnhofstraße wird im Moment das Mauerwerk erneuert und eine neue Abdichtung aufgetragen. Ein Träger liegt frei, ist korrosionsbelastet. "Spritzbeton tragen die Bauarbeiter als Schutz auf - das sollte die nächsten 30 bis 50 Jahre halten", erklärt der Projektleiter. Ende September soll die Instandhaltung der Brücke fertig sein.
Schon vor zwei Jahren hatte die Planung der DB Netz AG begonnen. 60 Mitarbeiter sind derzeit, allein auf dem Abschnitt zwischen Frankfurt und Letschin im Einsatz.