Die Sache stinke im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel: Über Hohenjesar liege seit einiger Zeit häufig ein "kaum zu ertragender Gestank", schreibt Ralf Nowak in einer Mail an die MOZ. Als Verursacher hat der Hohenjesarer die Betreiber der Milchviehanlage am Ortsrand ausgemacht. Sie würden Gülle auf die umliegenden Maisfelder ausbringen. Das sei auch während der jüngsten Hitzeperiode geschehen, so Ralf Nowak. Ein abendliches Durchlüften des Hauses sei wegen des "beißenden Geruchs" unmöglich gewesen, so der Zeschdorfer, für den die Belastung "an Körperverletzung grenzt" und der von "Ignoranz" der Landwirte gegenüber den Hohenjesarer Nachbarn spricht.
Er sei auf dem Lande groß geworden und beruflich mit der Landwirtschaft verbunden, wisse also, dass es an Stallanlagen riecht. Aber das, was die Hohenjesarer in jüngster Zeit erleiden müssten, habe mit der sprichwörtlichen Landluft nichts zu tun. Und so etwas habe er in den 40 Jahren, die er im Dorf lebe, auch noch nicht erlebt, sagt Ralf Nowak. Er empfiehlt den neuen Betreibern der Stallanlage, sich an den Vorbesitzer, Landwirt Mario Damm aus Lebus, zu wenden. Der habe jahrzehntelang vorgemacht, wie es auch anders geht.
Der von Ralf Nowak informierte neue Zeschdorfer Bürgermeister Uwe Köcher war inzwischen zweimal in Hohenjesar. Er habe sich davon überzeugt, "wie gewaltig es da stinkt", so Köcher gegenüber der MOZ. Aber er habe in der Stallanlage leider niemanden angetroffen. Telefonisch habe er erfahren, dass die Betreiber, zwei Holländer, im Urlaub sind. Anfang kommender Woche soll ein Gesprächstermin vereinbart werden, so der Bürgermeister. Auch die MOZ hat telefonisch in der Milchproduktions GmbH Nauta niemanden erreicht. Auf die Rückruf-Bitte gab es bislang keine Reaktion.
Jan Paepke, der Leiter des Landwirtschafts- und Umweltamtes (ALU) des Landkreises, hatte zum Zeitpunkt unserer Nachfrage bereits Kenntnis vom Hohenjesarer Geruchsproblem. Das Ordnungsamt der Lebuser Amtsverwaltung habe seiner Behörde die entsprechende Beschwerde einer Alt Zeschdorferin weitergeleitet, informiert Paepke.
Er versichert, dass man sich der Problematik annehmen werde. "Da können sich die Leute drauf verlassen", so der Amtsleiter. Sobald die für Düngemittel-Kontrollen zuständige Kollegin aus dem Urlaub zurück sei, werde sie bei den Betreibern der Hohenjesarer Milchviehanlage vorsprechen.
Bei der anstehenden Kontrolle werde es darum gehen, anhand der so genannten Schlagdokumentation nachzuweisen, wann und wo wie viel Gülle und möglicherweise auch andere stickstoffhaltige Substanzen ausgebracht worden sind, erklärt Jan Paepke. Auch die jeweiligen Inhaltsstoffe müssten erfasst sein.
Ammoniak kann entweichen
Zur Beurteilung der Situation werde sich die Prüferin auch die Bodenkonsistenz ansehen. Eine Rolle spiele zudem, ob die Gülle auf bestelltem oder unbestelltem Acker ausgebracht wurde. Denn auf bestelltem kann sie nicht eingearbeitet werden. Bei Hitze entweiche dann massiv Ammoniak, weiß der Amtsleiter.
Eine entscheidende Frage werde die nach dem Vorhandensein ausreichender Lagerkapazitäten für die Gülle sein, so Paepke. Die Anforderungen hat der Gesetzgeber verschärft. Die Landgesellschaft Damm wollte deshalb bei Lebus eine Güllelagune bauen.