Das Thema "Begegnung" stand nicht nur der Form halber über dem dritten Bildhauer-Pleinair, zu dem die Gustav-Seitz-Stiftung sieben deutsche und polnische Künstler nach Trebnitz eingeladen hatte. Die Frauen und Männer begegneten zum einen dem Werk von Gustav Seitz, der als Meister der figürlichen Plastik gilt. Eine Kunstform, der sich das in Trebnitz beheimatete Gustav-Seitz-Museum verpflichtet fühlt, die sie bewahrt und fördert.
Die Künstler begegneten sich zum anderen auch untereinander. Man kannte sich vorher nicht, leben doch die einen in Berlin, Bremen, Schöneiche oder Heilbronn und die anderen in Posen, Stettin und Breslau. Sie arbeiteten zwar jeder für sich, aber doch miteinander, tauschten sich aus, nahmen jeder für sich viel mit aus den Begegnungen. "Dieser Ort, dieses Pleinair ist eine wichtige Etappe für meine weitere künstlerische Arbeit", bekannte die 27-jährige Martyna Pajak aus Posen. Ihre Arbeit wurde mit dem Gustav-Seitz-Preis 2019 ausgezeichnet. Für sie sei es eine große Ehre, diesen Preis mit nach Posen zu nehmen. Namens ihrer Künstlerkollegen dankte sie allen, die diese Begegnungen und das Arbeiten ermöglichten, der Stiftung, zahlreichen Helfern sowie der Koordinatorin Rebekka Uhlig.
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Wolfgang van Gulijk vom Vorstand der Stiftung gab den Dank zurück. Auch für Bereitschaft der Beteiligten, sich in der zweiten Woche auf Begegnungen mit den im Schloss weilenden Ferienkindern einzulassen. Die Kinder seien neugierig gewesen, hätten viele Fragen gestellt und konnten sich selbst mit verschiedenen Arbeitsmaterialien versuchen. "Diese Begegnungen sind Ausdruck der guten Kooperation zwischen Schloss Trebnitz und der Stiftung im Rahmen der kunstpädagogischen Arbeit", so van  Gulijk.
Darius Müller vom Stiftungs-Vorstand übernahm es, zwischen den Musikstücken von Sören Gundermann (Gitarre) und Jacek Faldyna (Klarinette/Saxophon) die Arbeiten der sieben Künstler vorzustellen. Sechs Werke haben im Flur sowie im Veranstaltungsraum des Internationalen Archivs für Heilpädagogik am Schloss ihren Platz gefunden: "Eureka" von Inia Steinbach, die sich gegenüberstehenden Holzfiguren mit Bleimasken von Ulf Püschel, Izabela Jadachs tönernde "Rebecca", Maruisz Kosibas "Eva" aus ungebranntem Ton, Martyna Pajaks Sieger-Arbeit und Jan-Peter Manz’ "Boxer". Die große "Lauschende" von Sarah Hillebrecht sitzt unmittelbar am Eingang zur Ausstellung.
Bernd Schälicke vom Stiftungsvorstand, der leider nicht anwesend sein konnte, ließ zur Sieger-Arbeit einen Satz übermitteln, der für Heiterkeit sorgte: "Die Feuer der Hexenverbrennung sind erloschen – die Frauen drängen aus der Herrschaft der Chormäntel." Martyna Pajak hatte einen abgebrochenen Eichenstamm aus dem Schlosspark bearbeitet. Glatt geschliffen wirkt er wie eine zarte und zerbrechliche Frauenfigur. Eine entkernte, die von hinten geöffnet ist und wie eine nicht heilbare Wunde wirkt. Beim näheren Betrachten schließt sich dieser Leerraum jedoch wie unter einem (Bischofs?)-Mantel, verleiht ihre eine arche-typische Dimension.
Bis 18. August Ausstellung zum Pleinair Mi – So, jeweils 11 bis 17 Uhr, o.n.V., Tel.  0334775190 oder E-mail: info@gustav-seitz-museum.de