Bedenklich äugten die Spaziergänger am Gutstor zum Himmel. Aber während über Seelow bereits ein Regenguss herniederging, blieb es im Letschiner Raum noch trocken. Einen akademischen Vortrag über die bedeutsame Historie Wollups, das als Vorwerk der Lebuser Bischöfe bereits 1496 erstmals erwähnt worden war, wo Kronprinz Friedrich 1731 so richtig bewusst wurde, welche Möglichkeiten eine Melioration des Sumpflandes Oderbruch bietet und nicht zuletzt wo Johann Gottlieb Koppe 100 Jahre später Landwirtschaftsgeschichte schrieb, hatten die Wanderer nicht nötig. Das hatten sie alles bereits in der MOZ gelesen.
Gespannt lauschten sie aber, was Ulrich Schunack, Ruth und Günter Schwetschke vom Verein Domäne Wollup und Landwirt Heinrich Weber zu berichten wussten. Um es dann mit vielen eigenen Erinnerungen zu ergänzen.
Zunächst ging es jedoch zur Gutseiche vor dem "Amtshaus" von 1772. Das ist ein mächtiger Baum, der seine Äste seit Hunderten von Jahren über Wollup ausbreitet. In 1,50 Meter Höhe ergab sich ein Umfang von 5,85 Metern. Damit reicht dieser Baum nicht an die Rekordeiche im Friedrichsauer Sanssouci heran. Bei der MOZ-Wanderung dort wurden voriges Jahr 7,99 Meter gemessen. "Als Kinder haben wir uns oft um den Baum stellen müssen, um zu sehen, ob er dicker geworden ist", erzählte Kristy Augustin. Die CDU-Kreisvorsitzende ist in diesem Letschiner Ortsteil aufgewachsen und hat vor allem die Reitwiese im Wolluper Naturpark geliebt.
Ruth Schwetschke, heute 81 Jahre alt, war mit ihrer Familie als Sechsjährige aus Posen nach Wollup gekommen. Sie ließ vor den Augen der Wanderer die sich immer wieder verändernden Ansichten von Park und Gutsanlage entstehen. "Hier wurde 1711 ein Jagdschloss gebaut", wies sie auf eine Lichtung im heute waldähnlichen Park. Bis zum Brand 1744 feierten sich die Hohenzollern dort als Jäger. Elf Hirsche bei einer Jagd waren keine Seltenheit. Ruth Schwetschke erzählte vom Inselpark, wo sich die Jugend traf, vom Tennisplatz der Koppes, von der großen Gärtnerei, dem Bienenhaus und der Schnapsbrennerei. "Über sieben Brücken sollst du gehn heißt es im Lied. Bei uns geht es aber nur über sechs", scherzte Ulrich Schunack. Die einzige steinerne der Brücken, die Liebesbrücke, führt zum 1863 errichteten Schloss, das der aus Ossenbek bei Osnabrück in Niedersachsen stammende Landwirt Heinrich Weber 1997 gekauft und denkmalgerecht saniert hat. Weber berichtete über seinen Betrieb, der mit Rindermast und Bewirtschaftung von 750 Hektar Land sieben Mitarbeitern Lohn und Brot gibt. Helga Hanebutt konnte aus der Zeit berichten, da auf dem volkseigenen Gut ab 1946 mehr als 100 Landarbeiter beschäftigt waren. Ihr Vater war erster Betriebsleiter dort. So freute sie sich besonders darüber, dass Heinrich Weber den MOZ-Spaziergängern einen Rundgang durch das Herrenhaus ermöglichte. Erinnerungen wurden wach, wo einmal der Saal, wo Wohnungen und Büros waren. Geduldig erklärte der Hausherr die Umbauarbeiten. Dabei bekam er viele Komplimente, mit wie viel Geschmack und Sinn für das schöne Detail er das einstige Koppe-Haus hergerichtet hat. Noch auf eine neue Nutzung wartet die obere Etage mit dem Balkon, der einen Blick auf Park und die Nachbarhöfe wie Gut Basta freigibt. Vom Herrenhaus aus sollen die Blickachsen einmal so durch den Park geführt haben, dass Koppes bis nach Zechin blicken konnte, berichtete Ruth Schwetschke.
Ihren Abschluss fand die Wanderung in der von Edelgard Poschitzkke behüteten Heimatstube im 1904 nach einem Großbrand neu erreichten Speicher. Die Ausstellungen dort wie auch die zu Koppes Wirken im Gärtnerhaus sind Extra-Besuche wert.
Kontakt: Ruth Schwetschke, Telefon 033475 50001 oder Edelgard Poschitzke,Tel. 033475 50530