Rausgezogen sind sie auf ihr Gehöft – gelegen zwischen Sachsendorf und Rathstock – schon im Mai 2018. "Wir wollten raus aus Berlin, dort ist es dreckig, laut und sind die Menschen aggressiv", erklären sie beim Besuch dieser Zeitung am Dienstagabend. Über Internet suchten die Mahlsdorfer nach einem größeren Grundstück im Grünen und fanden das Haus von Karl-Heinz Schnabel und dessen Frau. Er war lange Jahre Mathematiklehrer in Dolgelin, wollte sich räumlich verkleinern. Sie zogen in eine Wohnung nach Frankfurt.
"Wir haben uns damals das Areal angesehen und waren begeistert. Hier hat man wirklich seine Ruhe", erzählen Lepkes, die Straßenbahnfahrer in Berlin sind. Auch wenn sich sich noch andere Immobilien ansahen, den Vergleich mit dem Sachsendorfer Grundstück hielt keine stand. Als dann auch noch der Hausverkauf in Berlin klappte und die Finanzierung zur Übernahme des neuen Grundstücks gelang, zogen sie ins bezugsfertige Haus ein. Seither pendeln die BVG-Angestellten für ihre Arbeits-Schichten 75 km nach Berlin.
Ihr Grundstück ist groß. "Wir haben 4311 Quadratmeter Fläche", erzählen die Zuzügler. Beim Rundgang sei ihnen schon damals im Garten ein besonderes Bauwerk aufgefallen. Ein drei mal fünf Meter großer Beton-Klotz. Es geht ihnen bis zur Brust, ist von Unkraut umgeben, zeigt aber auch Einschusslöcher im Beton. "Unser Vorgänger hat es als Komposthaufen genutzt", berichten sie. André und Kathrin Lepke gehen davon aus, dass es sich um einen MG-Bunker aus Kriegszeiten handelt. Dazu haben sie im Internet passende Bilder gefunden. Dafür spreche auch die Metallschienen am oberen Rand, die einst einen Deckel getragen haben könnte fürs Maschinengewehr.
Im Innern liegt viel Gerümpel – nicht nur Grünzeug sondern auch Asbestplatten, Müll. "Wir werden den Bereich mal ausräumen, aber dann nur mit einem Metallsuchgerät", erzählt André Lepke und ist gespannt, was sie noch für "Schätze" finden. Zumal sie schon Erfahrungen mit Munition gemacht haben. "Beim Zaunbau haben wir Panzergranaten entdeckt." Die Polizei rückte an, auch das Ordnungsamt von Seelow-Land. Mitgenommen hat die Munition zur Vernichtung dann der Bergungsdienst.
Da Lepkes erfahren wollten, ob es sich nun tatsächlich um einen Bunker handelt, haben sie die Gedenkstätte "Seelower Höhen" besucht. Das Ergebnis sei ernüchternd gewesen.  "Wir waren erstaunt wie wenig man über diese Zeit erfährt. Deshalb wundert es uns um so mehr das sich niemand für diesen Bunker interessiert", erklärt die 52-Jährige. "Und ich hatte die Ausstellung, zuletzt besucht als Kind, noch viel größer in Erinnerung", fügt der 54-Jährige an. Da es Flurkarten für ihr Gehöft im Außengelände nicht gibt, auch keine alten Luftaufnahmen, sie im Boden immer wieder auf Fundamente treffen was für einen Vierseitenhof spricht, baten sie nun die MOZ um Mithilfe.
Gewandt haben sie sich auch schon an den Verein "Zeitreise Seelower Höhen". Dessen Vorsitzender Tobias Voigt kam zu Besuch. "Er meinte, dass es nichts Besonderes zu sein scheint." Der MG-Bunker könne ein Trafo sein, was Lepkes nicht glauben. Und das auch noch gefundene Metallstück müsse nicht von einem Geschützrad sein, könne auch aus der Landwirtschaft stammen. Lepkes würden sich über Aufklärung freuen. Zumal der Vorbesitzer keine Infos hinterließ. Bis dato gibt es genügend auf dem Grundstück zu tun: Hunde, Schafe, Hühner gilt es zu versorgen und viel im Gemüsegarten zu tun. Bleibt Freizeit, machen sie gerne Radtouren. Sie wollen auch noch das Dachgeschoss vom Haus ausbauen, damit Tochter Michelle mit ihrem Freund und etlichen Tieren von Alt Tucheband herziehen kann. Die andere Tochter lebt mit Familie in Buschdorf.
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