Am Dienstagvormittag standen zahlreiche Familien aus der nahegelegenen Gemeinschaftsunterkunft vor dem Haus. "Neubürger machen 60 Prozent unserer Kunden aus, der Rest sind Bedürftige aus Neuhardenberg und dem Umland", erzählt Uwe Matauschek, der Leiter der Bad Freienwalder Tafel. Norbert Weich, der Vorstandsvorsitzende des Tafelverbundes Bernau, Oderberg und Bad Freienwalde hatte erst vor wenigen Wochen im Gemeinderat den Willen bekundet, in Neuhardenberg eine Ausgabestelle eröffnen zu wollen.
Armut steigt an
Das Vorhaben wurde nun Realität. "Bürgermeister Mario Eska und die Gemeindevertreter haben uns toll unterstützt", so Weich. Übergangsweise wurde der Tafel Bad Freienwalde für ihre Zweigstelle in Neuhardenberg ein Raum im Kita-Haus II zur Verfügung gestellt. Seither wird dort ausgegeben, was Bedürftige zum Leben brauchen: Frisches Obst und Gemüse, Lebensmittel aller Art, aber auch Hygieneartikel. Das Hilfsangebot nutzen viele Bürger, erzählen die Männer. Das seien auch immer mehr Ältere, deren Rente nicht ausreicht. Man biete eine zusätzliche Unterstützung an, wolle für alle Bürger da sein. Auch in Zeiten von Corona. Denn Armut, die gebe es auch abseits der Pandemie. "Bei uns ist noch nie einer rausgegangen, weil gar nichts mehr da ist."
Daher gebe es auch keine gepackten Tüten, sondern dürfen Kunden selbst auswählen. Mitarbeiter und Ehrenamtler, die die Ausgabestelle unterstützen, achten auf Abstand. Nur ein Kunde darf in den Raum, erreichbar über einen separaten Eingang von der Straße aus. Das Team desinfiziert Flächen, trägt Handschuhe, Mundschutz, hält Abstand. Je nach Tüten-Inhalt wird kassiert. Pro großer Tüte gut fünf Euro. Das von allem genügend vorhanden sei, liege auch daran, dass im Tafelverbund derzeit nicht alle Ausgabestellen geöffnet sind und der ausgefeilten Logistik. Gut laufe die Zusammenarbeit mit den Märkten, die Lebensmittel abgegeben. Nun auch mit Rewe in Neuhardenberg, wo morgens abgeholt wird.
Nutzen darf das Angebot, wer bedürftig ist – Asylbewerber, Hartz-IV-Empfänger, Senioren. Darauf wird per Dokument geachtet. Maximal zweimal die Woche dürfen Kunden erscheinen. "Und sie sind kommen sogar aus Letschin." Die Ausgabestelle ist auch Info-Punkt. Da gibt es Ratschläge, aufmunternde Worte, weil gerade jetzt viel Einsamkeit droht.
Hoffnung auf Villa Waldfrieden
Da das Kita-Haus II nur bis Juni genutzt werden darf, drängt das Tafel-Team auf eine langfristige Lösung: die Villa Waldfrieden. Dort soll eine Begegnungsstätte entstehen, nicht nur zur Ausgabe von Lebensmitteln, sondern auch für Non-Food-Produkte. Eingerichtet werden soll zudem ein Küchenbetrieb, um Essen anzubieten. "Dafür müssen als Grundvoraussetzung aber die Wohn- auf Gewerberäume umgewidmet werden", gibt Norbert Weich dem Gemeinderat als nächste Aufgabe auf. Um das Haus umzubauen, hofft man auf Material-Spenden von Firmen der Region. Manpower habe man selbst.
Auch wenn Helfer weiterhin gesucht sind. So wolle man bei einer Info-Veranstaltung um Ehrenamtliche für die Villa Waldfrieden werben. 30 bis 40 Kunden habe man jetzt pro Tag in Neuhardenberg. Tendenz steigend. Man sei auch gewillt, die Öffnungszeiten zu erweitern. Zusätzlich zu den zwölf Ausgabestellen im Verbund liefert die Tafel nach Hause – in der Gemeinde Oderberg und Wriezen. Neuhardenberg habe dafür noch keinen Bedarf, so Weich, der für den Bernauer Standort ebenfalls ein neues Grundstück sucht.
Ausgabestelle Kita-Haus II: geöffnet Di, Mi, Do, jeweils von 11 bis 14 Uhr