"Jetzt wird mal versucht, etwas besser zu machen, gleich kommt das Bündnis Tierfabriken-Widerstand und hat etwas dagegen. Sie spielen mit den Gefühlen der Leute, die hier aufgewachsen sind." Sichtlich aufgebracht äußerte sich Werner Karcher, Geschäftsführer der Genossenschaft Agrarprodukte Mallnow-Schönflies und selbst Produzent von Masthähnchen, nach dem Vortrag von Friederike Schmitz und Sandra Franz. Zusammen mit Sebastian Schottstädter hatten die Berliner Aktivistinnen am Montagabend zu einer Infoveranstaltung ins Bürgerhaus Sachsendorf eingeladen. Sie wollten über den von der Odega-Gruppe geplanten Umbau ehemaliger Kuhställe in Sachsendorf und Golzow zu Hähnchenmastanlagen nach der FairMast-Methode diskutieren und "mögliche Proteststrategien planen", wie der Einladung zu entnehmen war.
Gefolgt waren dieser rund 80 Anwohner, Landwirte, Tierfreunde und Lokalpolitiker. Nach einem 30-minütigen Vortrag des Bündnisses über die Lebensbedingungen der Tiere in solchen Anlagen und Einzelheiten des Genehmigungsantrages, entbrannte eine zum Teil hitzige Diskussion. Dabei wurde deutlich, dass es im Oderbruch sowohl Befürworter als auch vehemente Gegner des Projektes gibt.
Geplant sind zwei Großanlagen, die für rund 180000 Masthähnchen Platz bieten sollen. Das in den Niederlanden zusammen mit der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" entwickelte FairMast-Konzept sieht mehr Platz, mehr Licht und eine längere Lebenszeit für die Tiere vor. Die Tierschützer kritisierten, dass immer noch zu viele Hähnchen auf zu engem Raum gehalten und die Anlagen so nur eine minimale Verbesserung darstellen würden. Zum anderen seien die Ställe auch eine Belastung für Umwelt und Anwohner.
Unter welchen Umständen sie denn dem Projekt zustimmen würden, wollte daraufhin Patricia Werner aus Sachsendorf von dem Bündnis wissen, das einer Antwort schuldig blieb. Sie befürworte den Umbau der verfallenen Ställe, die ansonsten ein Schandfleck für das Dorf seien.
Wozu noch eine zusätzliche Hähnchenmast geschaffen werden solle, fragte sich hingegen Viola Frey. "Wir haben in Deutschland doch sowieso schon eine Überproduktion", sagte die ehemalige Sachsendorferin und verwies auf die Tonnen an Lebensmittel, die täglich weggeschmissen werden. "Es geht doch nur noch um Profit", pflichtete ihr eine andere Anwohnerin bei. Dem widersprach Peter Kreienborg, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft "Qualitäts-Geflügelproduktion Brandenburg": "Wenn wir alles auf Bio-Produktion umstellen, würde es nur für 40 Prozent der Menschen reichen." Der Rest würde dann aus dem Ausland kommen. Uneins war man sich auch über die tatsächlich neu entstehenden Jobs und etwaige Umweltbelastungen.
"Je mehr solcher Großanlagen es gibt, desto schwerer wird es auch für die kleineren Betriebe", argumentierte Friederike Schmitz am Ende der Diskussion. Das sah Grünen-Politiker Jan Sommer ebenso. "Die Landwirtschaft spielt hier im Oderbruch ein große Rolle. Die sollten wir wieder selbst gestalten." Man müsse prüfen, ob nicht eine ähnliche Situation entstehe, wie bei der KEG, wo auswärtige Investoren sich in die heimische Landwirtschaft eingekauft hätten, gab er zu bedenken.