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Wie wird man eigentlich Prinzenpaar? Ihre Lieblichkeit Birgit I. lacht. "In dem man mit Spaß und Sinn für Humor auffällt", vermutet sie. Schon immer sei sie gern zu Faschingspartys gegangen. Ihr Prinzgemahl, Seine Tollität Rainer I., nickt. Ja, auch er habe sich anstecken lassen. Das blieb auch so, als sie vor zwölf Jahren von Frankfurt nach Lebus zogen. Der LCC kürt in jeder Saison ein neues Prinzenpaar aus dem Volke. In der 45. Saison haben sich die Neu-Lebuser ihren Platz in den Chronik gesichert.
Birgit Winkler arbeitet im zivilen Leben als Physiotherapeutin in Frankfurt. Ehemann Rainer ist Geschäftsführer eines großen Baumarktes. Ihre schicken Kostüme hat Ihre Lieblichkeit aus mehreren Angeboten im Internet ausgesucht. Es habe einige Hin- und Herlieferungen gegeben, ehe das richtige dabei war, gesteht sie. Der Verein gibt einen Obolus, um die Kosten für das Prinzenpaar in Grenzen zu halten. Beiden merkt man den Spaß sichtlich an. "Wir fühlen uns wohl in Lebus", sagt Birgit Winkler. Ihr Mann lobt die tollen Nachbarn und das Vereinsleben in der Stadt. Die Nachbarn sind es auch, die an diesem Tag die schwerste Arbeit leisten.
Denn traditionell endet der Zug der Narren beim Prinzenpaar und das wohnt in der Kochstraße. Die Nachbarn haben alle mitgeholfen, um Tische und Bänke bereitzustellen, die Wildsuppe anzusetzen und die große Schar zu bewirten. Vorausgegangen ist eine Tour durch die Schönfließer Straße. Das Prinzenpaar sowie das Kinderprinzenpaar mit Lisa-Ann Beetz und Drago Siegert (beide neun Jahre alt) hat mit Platz genommen im königlichen LCC-Mobil. Nur zum Umzug wird das Gefährt - ein Mercedes, Baujahr 1995 - herausgeholt. Der Wagen mit Festungsaufbau und Beschallung sowie riesiger Konfetti-Maschine fährt vorneweg.
Obwohl der herrliche Sonnenschein allein schon beste Laune versprüht, bleibt es in den meisten Häusern an der Wegstrecke ruhig. "Ganz schön wenig Tankstellen", bedauert auch ein Gardemitglied. In der Altstadt sei das anders, da werde öfter gestoppt. Vereinzelt gibt es aber doch flüssige Wegzehrung und beim Lebuser Auto-Punkt wird erst mal getanzt. Gleich danach haben Anita und Wolfgang Wollank eine "Tankstelle" an der Straße aufgebaut. "Die geben sich seit Jahren so viel Mühe", sagt die Rentnerin. "Als wir jünger waren, sind wir auch immer zum Carneval gegangen. Wenn der Zug heute schon mal hier vorbei kommt, soll das ein kleines Dankeschön sein für all die Mühe." Schnittchen, Obst, Kaffee und andere Getränke werden mit großem Jubel verteilt.
Vereinschef Klaus-Dieter Dölves ist zufrieden mit seinem Narrenvolk. Nach der abendlichen Schaffe folgen am kommenden Sonntag noch der Kindercarneval und zum Abschluss die Weiberfastnacht. Dann denken die Mitglieder schon wieder an die 46. Saison. Lebus bleibt närrisch.