Es ist ein einfacher Weg, seinen Abfall los zu werden: Das gemähte Gras, Laub und anderer Grünschnitt kommen vom Grundstück direkt in den nahegelegenen Wald. Henry Krause biegt, aus Neuhardenberg kommend, in die Platkower Waldstraße ein. Dort haben es die Anwohner nicht weit bis ins Dickicht. Der Revierförster will sie nicht unter Generalverdacht stellen. Doch dass hier jemand auf kurzem Wege seine Gartenabfälle entsorgt hat, ist offensichtlich.
"Und das vermutlich schon über Jahre", sagt Krause und deutet auf den flächendeckenden Bewuchs mit Brennnesseln. Sie sind ein Indiz dafür, dass hier die Nährstoffzusammensetzung des Bodens empfindlich gestört wurde. Für die Nesseln kein Problem, aber für die üblichen Waldpflanzen. Denn durch die Abfälle gelangt Nitrat in den Waldboden, das von den Pflanzen nicht aufgenommen werden kann und bis ins Grundwasser vordringt.
Ein Trampelpfad führt wenige Meter in den Wald zu einer kniehohen Hecke, die der Umweltsünder aus Zweigen aus dem eigenen Garten angelegt hat. Ein geordneter Haufen Abfall. Doch auch wenn der Verursacher sich Mühe gegeben hat, seinen Grünschnittberg nicht als solchen aussehen zu lassen, ist die Entsorgung im Wald verboten. "Das gilt übrigens auch dann, wenn ihm der Wald gehört", sagt der Förster, der mit dem Verursacher nun ein ernstes Wort reden muss.
Der Landesbetrieb Forst Brandenburg macht derzeit gegen Gartenabfälle im Wald mobil und hat eigens zu diesem Thema ein Faltblatt herausgebracht, in dem er darauf hinweist, dass der Entsorger sowohl gegen das Abfallrecht als auch gegen das Forstrecht verstößt. Die Ordnungswidrigkeit oder deren Versuch können mit einer Geldbuße bis 20000Euro geahndet werden, heißt es im Papier. In der Praxis sieht das etwas anders aus. Da besteht die erste Schwierigkeit schon darin, den Verursacher in flagranti zu erwischen. Denn wenn der verdächtigte Entsorger die Tat leugnet, sind Henry Krause die Hände gebunden. Der Revierförster allerdings ist zunächst an einer gütlichen Einigung interessiert. Ist der Verursacher festgestellt, bekommt er in der Regel 14 Tage Zeit, die Abfälle fachgerecht zu entsorgen. "35 Euro Bußgeld und die Auflage die Stelle zu beräumen", erklärt Krause die gängige Praxis.
Nicht jeder Grünabfall ist dabei gleich schädlich. Denn während Äste und Zweige noch eine Luftzirkulation zulassen, beginnt der Boden bei Gras schnell zu faulen, zu stocken und zu schimmeln, weil das Grün nicht mehr verrottet. Organismen sterben ab. Der natürliche Nährstoffkreislauf wird unterbrochen.
Doch auch der Obstbaumschnitt sei letztlich mehr als ein Haufen Zweige, die ohnehin im Wald liegen. Durch den Gehölzschnitt können Pilzkrankheiten von Gartensträuchern und Obstbäumen auf Waldbäume übertragen werden. Gartenabfälle könnten Wurzeln, Zwiebeln, Knollen oder Samen von nicht einheimischen, konkurrenzstarken Pflanzen enthalten, die sich ausbreiten und die einheimische Vegetation verdrängen. Auch darauf weist der Landesbetrieb Forst in Brandenburg hin.
"Die Entsorgung der Grünabfälle ist über den Entsorgungsbetrieb MOL möglich", weist Henry Krause hin. Dieser habe spezielle Säcke dafür und hole diese zu bestimmten Zeiten ab. Wer sein Grünzeug also nicht selbst kompostieren möchte, kann sich beim Entsorgungsbetrieb über Abholmöglichkeiten und Gebühren erkundigen.
Entsorgungsbetrieb Märkisch-Oderland, Tel. 03341 3547001; Mail: abfallentsorgung@landkreismol.de