Mehr Macht und Mitbestimmung den Dörfern - Das ist eine gemeinsame Zielstellung der Teilnehmer des Treffens, das künftig jährlich stattfinden soll. Mit den Landtagsabgeordneten Simona Koß (SPD) und Kristy Augustin (CDU) sowie erfahrenen Bürgermeistern wie Michael Böttcher (Letschin), Frank Schütz (Golzow) und Horst Wilke (Neulewin) und Ortsvorstehern wie Dieter Arndt konnten Gastgeber Darius Müller von der Bildungsstätte und Grit Körmer von der LAG Märkische Seen kompetente Gesprächspartner begrüßen. Simona Koß stellte die zehn Thesen vor, die die vom Landtag eingesetzte Enquetekommission "Zukunft der ländlichen Regionen" bereits zum Thema politische Teilhabe erarbeitet hat.
Darin wird ein Paradigmenwechsel gefordert: Weg von der Defizitperspektive vom Image des "Abgehängtseins" und dem Messen an städtische Normen, hin zu mehr Gestaltungsspielräumen und einer Wertschätzung der ländliche Lebensweise. Dabei sollen lebendige Dörfer eine zentrale Rolle in der Landespolitik spielen. Ganz aktuell bezieht sich eine These auf die Debatte um die Amtsgemeindebildungen, wie sie im Seelower Raum und Letschin/Barnim-Oderbruch läuft: "Um eine Dominanz größerer Gemeinden gegenüber kleineren Dörfern zu verhindern, ist es wichtig, dass bei einer künftig zu wählenden Amtsgemeindebildung alle Gemeinden vertreten sind." Was noch fehlt, sind Thesen zur Produktionsweise auf dem Lande. So waren auch zum "Treffen der Dörfer" kaum Vertreter der Landwirtschaft gekommen. Angesichts der Erfahrungen, dass vor allem Großbetriebe kaum noch einen direkten Bezug zu ihren Dörfern haben, will Simona Koß diese Problemlage in der Kommission ansprechen.
Ein wichtiger Effekt des Treffens war der Austausch über praktische Fragen. Zum Beispiel darüber, wie sich das Dorf gegenüber der Gemeinde, dessen Ortsteil sie ist, behaupten kann. In einer Arbeitsgruppe wurde die Forderung aufgestellt, dass Ortsvorsteher künftig nicht nur angehört werden müssen, sondern auch Stimmrecht bekommen. In der von Grit Körmer moderierten Gruppe wurde gefordert, dass der Landesentwicklungsplan direkter mit den Einwohnervertretungen entwickelt werden muss. Der kürzlich durch die Gemeindevertretungen gesandte Plan habe das nicht ermöglicht. Für Ehrenamtliche war es kaum möglich, das mehrere hundert Seiten umfassenden Dokument dahin zu prüfen, welche Auswirkungen es für die Dörfer hat.
Umstritten ist zudem der Wunsch nach einem "Parlament der Dörfer", wie es von verschiedenen Aktivisten der Dorfbewegung Brandenburg ins Spiel gebracht wurde. Selbst Fragen wie die nach dem Vertretungsrecht für ein Dorf und das Verhältnis zum Städte- und Gemeindebund sind noch in der Diskussion. In einem waren sich die Teilnehmer aber einig: Die Initiativen zur Selbstbehauptung müssen aus den Dörfern selbst kommen.