Der Naturkostladen „Nussschale“ am Puschkinplatz 7 in Seelow ist den Seelowern ein Begriff. Aber was sich in den einstigen Pfarrhausräumen so abspielt, wissen bislang wenige in Seelow und Umgebung. Deshalb hat der Vorstand des 55 Mitglieder starken Trägervereines, der 2016 mithilfe der Stiftung „trias“ das alte Stadthaus erworben hatte, MOZ.de zum Vor-Ort-Termin geladen.
Adda Schulz und Ursula Kieninger vom Vereinsvorstand wissen nicht genau, wie alt das Haus eigentlich ist. In der Stadtchronik Seelow findet sich dazu auch nichts. Es stammt aber aus der Zeit, als man die Stuben klein hielt, um sie im Winter besser warm halten zu können. Eine heute auch wieder ganz moderne Variante. Für die Wärme sorgt aktuell eine alte Ölheizung. Der Verein will und muss umrüsten: Eine moderne Pelletheizung soll dafür eingebaut werden.
In der guten Stube des Alten Pfarrhauses Seelow: Adda Schulz und Ursula Kieninger stehen im gemütlichen Seminar- und Kreativraum. Das Dach darüber ist allerdings schon löchrig.
In der guten Stube des Alten Pfarrhauses Seelow: Adda Schulz und Ursula Kieninger stehen im gemütlichen Seminar- und Kreativraum. Das Dach darüber ist allerdings schon löchrig.
© Foto: Ulf Grieger
In der oberen Etage, in der sich das eigentliche Vereinsleben abspielt, wurden bereits in der Coronazeit durch die Beseitigung einer Wand zwei Räume so verbunden, dass dort bequem 40 Menschen feiern können. Ansonsten soll aber nichts weiter umgebaut werden. Was in den Räumen so alles passiert, kann man sich auch auf der Internetseite anschauen. Es gibt einen kleinen Raum, der seit September von der Musikschule MOL genutzt wird. Musiklehrerin Adda Maria Schulz gibt dort seit September Unterricht. Und es gibt einen gemütlichen Versammlungs- und Kreativraum.
Der größte Raum im Alten Pfarrhaus: Bei Kursen wie den 14-tägigen Milonga- und Tango-Abenden sind dort etwa zwölf, bei Festen bis zu 40 Gäste im Raum.
Der größte Raum im Alten Pfarrhaus: Bei Kursen wie den 14-tägigen Milonga- und Tango-Abenden sind dort etwa zwölf, bei Festen bis zu 40 Gäste im Raum.
© Foto: Ulf Grieger

Ein Drittel des Hauses kann gewerblich genutzt werden

Die Räumlichkeiten werden auch gegen ein Nutzungsentgelt, wie beispielsweise an die Kreismusikschule Märkisch-Oderland, den kleinen Bioladen „Nussschale“ im Erdgeschoss, ortsansässige Yogalehrer, Massagetherapeutinnen und andere vermietet. Ein Drittel der Hausnutzung darf laut Pachtvertrag mit der Stiftung gewerblich erfolgen. „Das ergänzt die Tätigkeiten des Vereins und gewährleistet, den halbjährlich anfallenden Erbpachtzins zu decken, dient weiterhin der Gesundheitsprävention und regt an zu selbstverantwortlichem Leben“, erklären die Vorstandsmitglieder in einem Spendenaufruf.
Darüber hinaus schaffe der Verein so bezahlbaren Raum für Selbständige aus der Region. Ein Infopunkt im Eingangsbereich dient als wichtiger Wegweiser für Gesundheitsangebote und Unternehmer in der Umgebung. „Mehrere Dutzend Besucher jeden Alters und jeglicher Herkunft gehen täglich bei uns ein und aus und nennen das Haus liebevoll die Seelower Oase“, sagt Ursula Kieninger.
Das Zentrum stärke die regionale Infrastruktur durch kulturelle Bildung, biete kulturelle Vielfalt, fördert die Verbesserung des nachhaltigen Miteinanders von Mensch und Umwelt und spricht alle Schichten jeglichen Alters an. Durch enormes ehrenamtliches Engagement werde das Haus gestaltet, soziales Miteinander ermöglicht, die Dorf- und Stadtgemeinschaft gestärkt und eine Stadt-Umland-Partnerschaft gefördert, heißt es im Spendenaufruf. „Es ist uns ein großes Anliegen, gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.“, so Ursula Kieninger.
Im Musikraum: Lehrerin Adda Maria Schulz übt dort mit den Musikschulkindern der Kreismusikschule.
Im Musikraum: Lehrerin Adda Maria Schulz übt dort mit den Musikschulkindern der Kreismusikschule.
© Foto: Ulf Grieger
Neben Unterrichtsangeboten der Kreismusikschule Märkisch-Oderland, der Leitung eines Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchors – organisiert und veranstaltet der Verein jahreszeitliche Haus- und Hoffeste, Tanz- und Singveranstaltungen, begleitete Familienfreizeiten, offene Kreativräume, Kräuterseminare, Kurse im Erlernen von altem Kunsthandwerk, Handarbeitszirkel u.v.m.
Nun brauche das alte Haus am Puschkinplatz aber eine neue Hülle. Das Dach muss dringend erneuert und gedämmt werden, die Fassade braucht einen neuen Anstrich und die Heizung muss ausgetauscht werden, so die Vorstandmitglieder.

Zustimmung von der LAG Leader Oderland

Die Zustimmung der LAG Oderland für die Förderung des Vorhabens hat der Verein bereits in der Tasche. Das bestätigte Andreas Schmidt von Leaderbüro Wriezen beim Besuch vor Ort am 21. Dezember. Die Bewilligung des Antrags erfolgt dann aber beim Landesamt in Fürstenwalde. Die Förderung des 112.000 Euro teuren Vorhabens erfolgt zu 75 Prozent. Rund 28.000 Euro muss der Verein als Eigenbeitrag aufbringen. Dafür werden nun Spenden gesammelt. Gesucht werden aber auch weitere Mitstreiter und Fördermitglieder.
Agrar- und Umweltminister Axel Vogel hatte am 9. Dezember den 14 Leader-Regionen die Anerkennungsurkunden für die EU-Förderperiode 2023 bis 2027 überreicht. Insgesamt stehen 2023 bis 2027 rund 215 Millionen Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) für die Umsetzung von LEADER in Brandenburg bereit. Der LEADER-Region „Oderland“ stehen innerhalb der nächsten fünf Jahre über 16 Millionen Euro ELER-Mittel für die Umsetzung von Projekten zur Verfügung, informierte Andreas Schmidt von LAG Büro in Wriezen. Hinzu kommen noch Landesmittel und zusätzliches Geld für landesweit bedeutsame Maßnahmen. Ab 1. Juli 2023 soll die neue Förderperiode starten. Im zweiten Halbjahr 2023 wird es einen ersten Wettbewerbsaufruf zur Einreichung der zu fördernden Maßnahmen geben.
Spendenkonto des Vereins Altes Pfarrhaus Seelow:
IBAN: DE34 4306 0967 1186 4365 00
BIC: GENODEM1GLS GLS Bank Bochum