Seit Tagen hingen die orangenen Flyer mit der Information im „Seelow-Grill“, dass dort die „MOL-Piraten“ zu einem Kennenlerntreffen am Mittwochabend vor Anker gehen wollen. Kreisparteichef Jens Knoblich segelte mit dem Rückenwind des großen Berichtes, der an diesem Tag in der Märkischen Oderzeitung stand, in der Kreisstadt ein. Darin hatte er zum Thema Urheberrechtsabkommen Acta Stellung bezogen.
In Seelow allerdings schien Flaute zu herrschen. In dem Imbissrestaurant herrschte der allabendliche Betrieb. Die Spielautomaten flimmerten, der Großbildschirm bedudelte den Raum mit Videoclips und an den Tischen fand sich vor allem junge Laufkundschaft ein.
Knoblich, der von dem Neufelder Piraten Rolf Ignaz und dem Frankfurter Jungpiraten und Jurastudenten Simon Ganseweg begleitet worden war, fielen dort zunächst gar nicht auf. Vielleicht hätte man ahnen können, dass der Mann, der verzweifelt versuchte, mit seinem Laptop eine stabile Internetverbindung aufzubauen, der Piratenpartei zugehören könnte. Aber für etwa eine halbe Stunde unterhielten sich die Piraten ganz angeregt nur miteinander. Sie mussten erst „angeklickt“ werden. Bei einer MOZ-Umfrage unter den Imbiss-Gästen, wer sich für die Piraten interessiert, stellte sich heraus, dass eine ganze Gruppe Jugendlicher extra deshalb in den „Seelow-Grill“ gekommen war. Andere, wie Stefan, hatten wenig Interesse. Er hatte seinen Platz am Spielautomaten eingenommen, erzählte etwas von modener Piraterie in Nordafrika. Und Sabrina bekannte, zwar kein Interesse an der Partei zu haben. Aber dass es ihr auch künftig möglich sein soll, Filme und Musik kostenlos aus dem Netze zu laden - zu diesem „Piratenziel“ bekannte auch sie sich.
Nico, Heike, Domenik, Damian und Jenny hingegen waren extra gekommen um zu erfahren, was es mit der neuen Partei auf sich hat. Und so gesellten sich die Parteimitglieder an ihren Tisch. Was nicht so einfach ging. Schließlich konnte der Parteivorsitzender erst mit den Jugendlichen sprechen, als die Internetverbindung wieder stabil war und der große Pommes-Teller geliefert wurde. Der sorgte zudem dafür, dass Jens Knoblich nicht unentwegt reden musste. Und so übernahm es vor allem Simon Ganseweg, den 16- bis 22-Jährigen die Grundsätze und Ziele der Piratenpartei zu erläutern, die in Märkisch-Oderland bislang 35 Mitglieder hat und bei der nächsten Kommunalwahl antreten will.
Dabei hoffen die Orangen, dass ihnen das auf 16 Jahre herabgesetzte Wahlalter zugute kommt. „Wenn es nach mir ginge, sollte es gar keine Altersbegrenzung geben. Mancher ist mit Zwölf schon in der Lage, politisch zu entscheiden“, erklärte Jens Knoblich.
Mit 16 kann man Pirat werden. Wer jünger ist, kann sich in der Jugendorganisation „Junge Piraten“ versuchen, die ein selbständiger Verein ist und durchaus in der Lage, Themen in die Parteidebatte einzubringen.
Auf Nachfrage der Jugendlichen erklärte Simon Ganseweg, dass die Piraten für mehr Demokratie und Transparenz eintreten. Es müsse mehr Volksabstimmungen zu wichtigen Fragen geben. „Es reicht nicht, wenn ihr alle vier Jahre eure Stimme abgebt. Ihr müsst sie auch zwischendurch, also täglich einsetzen, um etwas zu bewegen.“ Dies ziehe sich wie ein roter Faden durch sämtliche Themenbereiche. Sei es beim Datenschutz, bei den alternativen Energien, der Sozialpolitik oder der Frage der inneren Sicherheit.