Die Stadtbibliothek begeht in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Dazu finden verschiedene Veranstaltungen statt. Seit Montag sind Seelower Grundschüler auf Spurensuche in der Stadt, wollen ein Buch gestalten.
Die Mädchen und Jungen begrüßen Thomas J. Hauck mit großem Hallo. Am Vortag erlebten sie ihn in einer etwas anderen Lesestunde, waren hellauf begeistert. „Er hat eine ganz tolle Art, mit Kindern zu arbeiten“, sagt Klassenlehrerin Heike Maerker. Auch Hortbetreuerin Christiana Mielenz ist begeistert von dem Begleiter, der vier Tage lang mit den Viertklässlern arbeitet.
An diesem Dienstag geht es los mit der Spurensuche in der Stadt.  Zum Jubiläum der Bibliothek  gestalten die Grundschüler selbst ein Buch mit dem Titel  „Von A bis Z – eine Spurensuche in Seelow“. Der Autor, Regisseur und Schriftsteller Hauck spaziert mit den Schülern durch die Stadt. Er, der zum ersten Mal hier weilt, will die Kinder dazu anregen, überall genauer hin zu schauen und zu erklären, was ihnen auffällt. Sie sollen sich Notizen machen zu Besonderheiten. „Was ist das für ein Haus?“ fragt er am Kulturhaus. Natürlich wissen das alle. Und woran erinnern sie die großen Lampen über dem Eingang? „Ein Kopf mit Hut“, wirft ein Mädchen ein. „Genau, da fehlen nur noch Augen, dann wirken sie wie Wächter“, findet Hauck.
An der bronzenen Bauersfrau vor dem Kulturhaus hätte er gern das Geheimnis gelüftet, was die Bäuerin im Korb unter dem Tuch verborgen hält. Vielleicht erzählt einer der Schüler eine Geschichte. Darum geht es bei diesem Projekt. Die Kinder sollen kleine Geschichten aufschreiben. Die Kinderbuchillustratorin Christina Röckl wird ebenfalls noch erwartet. Sie soll die Geschichten bebildern. Etwa 30 Unikat-Kinderbücher werden entstehen. Am Donnerstag präsentieren die Viertklässler am Nachmittag ihre Ergebnisse in der Bibliothek.
Einrichtungsleiterin Marion Hahn freut sich über das besondere Projekt. Es soll Lust machen aufs Lesen und aufs Entdecken. Mit Thomas J. Hauck konnte ein Kinderbuchautor gewonnen werden, der aus den Begegnungen mit den Jüngsten Stoff für neue Geschichten zieht. „Ich bin begeistert von den Kindern hier in Seelow“, sagt er. „Sie sind aufgeweckt, interessiert, es macht Laune“, versichert er.
Zur Festveranstaltung am 27. Juni um 18 Uhr in der Stadtpfarrkirche werden die Gäste das Ergebnis des Projektes zumindest schon auf großen Ausstellungstafeln begutachten können. Und es werden mit Sicherheit viele Erinnerungen wach. Etwa an die bescheidenen Anfänge. 1948 war die Seelower Bibliothek als erste im damaligen Kreis Lebus eröffnet worden. 1955 erhielt sie ihr Domizil am Puschkinplatz (heute „Nußschale“ und zog zwei Jahre später in Räume im Kulturhaus. 1974 hieß es wieder umziehen und zwar in die Baracke am Stadion. Die wurde baulich immer schlechter, so dass die Stadt gezwungen war, neue, den neuen Anforderungen entsprechende, Räume zu finden. 2000 kam der Einzug in den ehemaligen Hort an der Bertolt-Brecht-Oberschule. Dort kann die Einrichtung die ganze Bandbreite heutiger Medien präsentieren. 2011 erhielt die Bibliothek den Namen des Alt Rosenthaler Schriftstellers und Drehbuchautors  „Ulrich Plenzdorf“.