Hoher persönliche Einsatz
Die Manschnower gehörten zu den insgesamt 25 000 Wählern, die für die Prognose um 18 Uhr befragt wurden. Die erbrachte Zahlen, die bei den Direktkandidaten im Wahlkreis 34 unterschiedliche Reaktionen auslösten. Simona Koß (SPD) nannte die 4,4 Prozent, die ihre Partei im Vergleich zu 2014 verloren hat, zwar eine herben Verlust. Dass es aber dennoch mit einem Anstieg der Prozentzahl im Vergleich zu den Umfrageergebnissen der letzten Wochen geklappt hatte, das habe sie dann doch stolz gemacht. Dies auch in Hinblick auf den enormen Aufwand, den sie selbst betrieben habe, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Für die künftige Arbeit sieht sie die Notwendigkeit, eine transparentere und nachvollziehbarere Politik zu machen. Die Aktivitäten vor Ort müssten fortgesetzt werden.
Kristy Augustin (CDU) verhehlte nicht, dass sie angesichts von 7,5 Prozent Verlust für ihre Partei sehr enttäuscht sei. Das werde nicht dem gerecht, was sie in ihrem Wahlkampf erlebt habe. In punkto Regierungsbildung würde sie es begrüßen, wenn die CDU mit in die Verantwortung genommen werde.
Franz Wiese (AfD) machte aus seinem Stolz auf die Prognosezahl gar keinen Hehl. Die nochmalige Steigerung um mehr als 10 Prozent nach 2014 auf nun 22,5 Prozent zeige, dass es gelungen sei, "den Altparteien das Fürchten zu lehren". "Wir haben erst 2013 die Partei gegründet und erreichen nun schon ein solches Ergebnis. Ich bin sehr stolz", so Wiese. Die Wahltagsaktion mit dem Rufbus zum Wahllokal sei sehr gut angenommen worden, auch von älteren Bürgern, die eigentlich nichts mit der AfD zu tun haben.
"Bitter" nannte Bettina Fortunato (Die Linke) die Prognosezahlen. Den Absturz um 7,6 Punkte auf nur noch elf Prozent wollte sie erst gar nicht glauben. "Möglicherweise haben auch einige in der Hoffnung die SPD gewählt, die AfD nicht so stark werden zu lassen", gab sie einen ersten Erklärungsversuch. Insgesamt aber sieht sie das Ergbnis als Resultat dafür, dass es der Partei nicht mehr gelungen sei, ihre Politik deutlich und begreifbar werden zu lassen. "Aber wir werden uns davon nicht entmutigen lassen", erklärte die Kreisvorsitzende der Linken.
Jan Sommer (B90/Grüne) war zwiegespalten angesichts der Prognosewerte. Zum einen hatte er sich natürlich nach den höheren Umfragewerten weitaus mehr erhofft. Aber auch so sei es das bislang beste Wahlergebnis und ein Zeichen dafür, dass es ohne seine Partei keine Regierung in Brandenburg geben werde. Sommer ist der einzige Direktkandidat im Wahlkreis, der sich nicht auf einen sicheren Listenplatz verlassen kann und somit wahrscheinlich nicht ins Parlament einziehen wird.
Zu wenig Wahlforen
Rückblickend auf den Wahlkampf bedauert er, dass es kaum Wahlforen gegeben habe, bei denen die Kandidaten ihre Argumente austauschen und verteidigen mussten. Die Wirksamkeit der eher jugendlich-flotten Sprüche auf den Wahlplakaten schätzt er sehr zurückhaltend ein. "Wichtig ist, dass wir die Politikfelder, die uns am Herzen liegen, wie Landwirtschaft, Klima und Umwelt, in Zukunft wirksamer bearbeiten können", so Sommer. Ein Thema sei dabei das Landgrabbing, also der Landkauf durch große Kapitalunternehmen. Dagegen habe seine Partei bereits Ideen.