Es sind vier lange große Rollen, die am Rand der Turnhalle in Neuhardenberg auf ihren Einsatz warten. Mehrere Meter grüner Teppich werden seit Jahren vom Neuhardenberger Carnevalverein "Marxwalde 1972" aufwändig in der gesamten Sportstätte verlegt, damit bei ihren Veranstaltungen der Boden keinen Schaden nimmt. Das Prozedere ist per Vertrag mit der Gemeinde, die Besitzer der Turnhalle ist, so geregelt.
Monatelange Diskussionen
Doch schon im August mehrte sich Kritik an der Aktion, habe der Teppich laut NCV-Mitglied Diana Gehrke seine besten Jahre doch längst hinter sich. Ob man einen neuen Teppich anschafft oder ihn weglässt und sich dafür eine Reinigungsmaschine kauft, das beschäftigte die Gemeindevertreter seither immer wieder. Auch jüngst im Bauausschuss. Bürgermeister Mario Eska hatte den Antrag eingebracht, dass man die Nutzungssatzung für den NCV dahingehend ändert, dass man den Narren als mitgliederstarken Verein (67 Akteure) entgegenkommt. Langfristig wolle Neuhardenberg eh das Gebäude zur Mehrzweckhalle umbauen.
Die Baugenehmigung liege vor. Noch müsse jedoch mit allen Nutzern abgestimmt werden, wie der Umbau geplant und über Jahre im Haushalt finanziert werden soll. Bis dato muss aber auch der Spielbetrieb weiter aufrecht gehalten werden. Das erfordert einen funktionieren Fußboden. Am Ende einigte sich der Ausschuss auf den Kompromiss, den Narren ihren Fasching am 23. November ohne Teppich zu erlauben – als Testlauf. Danach wird neu entschieden.
Diese Beschlussvorlage stand nun auch noch im Gemeinderat zur Abstimmung. Ehe es dazu kam, durfte NCV-Präsident Ralf Gehrke vorsprechen. Der Vorsitzende des Narrenverein erinnerte daran, dass der Teppich eigentlich ein Rollrasen sei, der 1997 im Zuge des Oderhochwassers für die Soldaten-Unterbringung angeschafft wurde. Man sei als Verein nicht etwa zu faul, ihn auszurollen. Vielmehr sehe man aber bei vielen Auftritten in ebenfalls Anfang der 1990er Jahre errichteten Hallen keinen Teppich liegen. Die Böden würden das auch ohne aushalten, seien rutschfest und brandabweisend. Letzteres sei mit einem Teppich sogar eher noch eine Gefahr. "Der Teppich ist 23 Jahre alt, bildet schon ein eigenes Biotop", sagte Gehrke und meinte damit die vielen Flecken, die sich über die Jahre sammelten. Bislang saugen die Karnevalisten vor und nach den Feiern den Stoff sauber. "Mit unseren privaten Geräten. Wir sind nicht mehr gewillt, das so weiter zu machen. Wenn die Gemeinde weiter am Teppich festhält, braucht es richtige Maschinen."
Auch Michael Schlüter, der Vorsitzende des SV Fortuna Neuhardenberg, war zur Sitzung eingeladen worden. Er empfahl den Abgeordneten, dem Antrag auf Teppich-Weglassen nicht zuzustimmen. Der Sportvereins-Chef sorgte sich um den Zustand des Bodens, "Die Markierungen sind schon angegriffen. wären nach der Veranstaltung bald ganz weg." Die Sportler seien für ihren Spielbetrieb (Fußball, Volleyball usw.) aber auf einen unzerkratzen Boden angewiesen. "Auch andere Vereine, die die Halle nutzen, sind dafür, dass weiter Teppich ausgelegt wird", sagte der Sportvereinschef. Alternativen zur Auslage sehe er keine. Lieber solle sich die Gemeinde für 4000 Euro einen neuen anschaffen, dazu einen Industriesauger. "Da ja noch offen ist, wann die Halle saniert wird und welchen Fußboden sie mal hat."
Vorher-Nachher wird überprüft
Nach Diskussionen zu Für und Wider beschloss die Gemeindevertretung mehrheitlich die einmalige Genehmigung der Faschingsveranstaltung am 23. November ohne Teppich. Dabei werden die Karnevalisten im Mittelteil aber dennoch ein Stück Teppich auslegen, woran dann im Vergleich überprüft werden kann, ob es sichtbare Schäden gab. Der Zustand des Hallenbodens wird vorher und hinterher durch Amt, Gemeinde und Bauhof dokumentiert. Daraus resultierend entscheidet der Gemeinderat, wie die NCV-Veranstaltungen im nächsten Jahr genehmigt werden.