Eine Tonne für den Restmüll, eine für Wertstoffe, eine für Bioabfälle, eine für Papier, dazu der Gelbe Sack - so könnte es ab 2015 im Kreis aussehen. Dann greift die nächste Phase des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Die Kreise sind verpflichtet, diesen Prozess vorzubereiten, machte Angela Friesse, Leiterin des Entsorgungsbetriebes Märkisch-Oderland (EMO), im Kreistag deutlich. "Die Frage ist jetzt, wie wir ein sinnvolles Sammelsystem installieren, das den gesetzlichen Anforderungen gerecht wird", sagte sie. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass ein Teil der rund 27 000 Tonnen Siedlungsabfälle, die jährlich über die Hausmülltonnen eingesammelt werden, noch verwertet werden können.
Die Berechnungen gehen davon aus, dass jährlich etwa 7,5 kg Wertstoffe und 9 kg Bioabfälle pro Einwohner und Jahr anfallen. Aufs Jahr verteilt sind das geringe Mengen, die einzusammeln jedoch einen hohen Aufwand bedeuten würde. Bei einer Wertstofftonne bestünde zudem die Gefahr, dass die Verunreinigung groß wäre, da dieser Behälter kostenfrei wäre, der Restmüll aber weiter nach tatsächlicher Menge berechnet würde, machte Friesse deutlich. Für die Verunreinigung in den Wertstofftonnen müsste der EMO Rückerstattungen einplanen. Allein die Anschaffung der Wertstofftonnen würde 27 000 Euro kosten. All diese Kosten trägt der Gebührenzahler.
Sie gehe davon aus, dass im Abfallwirtschaftskonzept des Kreises keine Biotonne ausgewiesen wird, sagte die Werkleiterin. "Wir haben über Jahre die Eigenkompostierung gefördert", betonte Angela Friesse. Fakt sei aber, dass in dem Konzept nachzuweisen ist, wie die gesetzliche Pflicht der Verwertung auch des Bioabfalls gesichert wird. Fakt sei auch, dass die Entsorgung teuer wird. Deshalb müsse über Einnahmemöglichkeiten beraten werden. Eine könnte neben dem Papier das Einsammeln von Alttextilien sein. Neun bis elf Kilogramm fallen pro Einwohner und Jahr an, so eine erste Schätzung des EMO. Damit könnte Geld eingenommen werden, um die Gebühren stabil zu halten. Angela Friesse sicherte auf Abgeordnetennachfrage zu, dass gemeinnützige Vereine weiterhin Alttextilien sammeln könnten.
So wie der DRK-Kreisverband MOL-Ost. Der hat in zahlreichen Orten Container aufgestellt. "Die gut genutzt werden und für uns wichtig sind", sagt Geschäftsführerin Cordula Töpfer. In Frankfurt (Oder) würden bereits durch die Kommune Alttextilien gesammelt. Das DRK habe Container abbauen müssen. Das wirke sich bereits auf die Kleiderkammern aus, die nicht mehr ausreichend bestückt werden können.
Die Kleiderkammern wiederum seien wichtiger Anlaufpunkt für Menschen aus sozial schwachen Familien. Auch Asylbewerber oder in Not Geratene werden durch die Kleiderkammer versorgt. Cordula Töpfer erwartet, dass es im Vorfeld des Konzepts Gespräche geben wird. Die sind im Zeitplan des EMO auch vorgesehen, einschließlich der Analyse, wer wo Container betreibt. Container von gewerblichen Verwertern kann der Kreis untersagen, denn Altkleider gelten als überlassungspflichtig.
"Die Preise für Alttextilien schwanken enorm", weiß Cordula Töpfer. Derzeit lägen sie hoch, was Entsorger zu der Überlegung führe, sie selbst einzusammeln. Es habe aber auch schon Zeiten gegeben, wo die Wohlfahrtsverbände ihre Rest-Altkleider nicht mehr los wurden. Dann landeten sie letztlich im Müll, dessen Entsorgung wiederum auf den Gebührenzahler umgelegt wird. In den Ausschüssen des Kreistages soll jetzt die Beratung des neuen Konzepts beginnen.
Abfallwirtschaftskonzept im Internet unter www.maerkisch-oderland.de/Abfallentsorgung