"Langfristig werden wir nicht um die getrennte Erfassung von Bioabfällen herum kommen", machte Angela Friesse, Leiterin des Entsorgungsbetriebes Märkisch-Oderland (EMO) im Kreisausschuss deutlich. Derzeit bestehe für den Kreis noch eine Ausnahmegenehmigung. Der Kreis sei jedoch in der Pflicht, beim Land ein Konzept vorzulegen, in dem nachgewiesen wird, wie die EU-Abfallrahmenrichtlinie erfüllt wird. Grundtenor des Konzepts sei der Bezug auf einen Passus im Gesetz, wonach eine getrennte Erfassung wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll sein muss, erläuterte Friesse. Zudem müsse solch ein Sammelsystem technisch machbar und zumutbar sein. Genau diese Punkte sehe man derzeit als nicht gegeben, sagte die Werkleiterin.
Berechnungen des Entsorgungsbetriebes gehen davon aus, dass durchschnittlich zwei bis vier Euro pro Person und Jahr nötig wären, um ein weiteres Sammelsystem zu installieren. Der Nutzen indes sei fraglich, vor allem unter dem Aspekt, dass Märkisch-Oderland ein sehr ländlich geprägter Kreis ist. Das heißt, viele Hausbesitzer nutzen ihren Kompost, um Bioabfälle zu entsorgen. Mit der Einführung des Identsystems bei der Hausmüllerfassung - berechnet werden nur die Kilogramm, die tatsächlich in der jeweiligen Tonne abgefahren werden - war die Eigenkompostierung noch gefördert worden. Zugleich wurden für bestimmte Bioabfälle Entsorgungssysteme eingeführt. Gartenabfälle, Laub und Strauchwerk werden kostenpflichtig von den Grundstücken entsprechend eines Tourenplanes abgeholt. Die Weihnachtsbäume als große Bio-Masse werden automatisch entsorgt, wenn Bürger sie zum jeweiligen Termin vor die Tür legen.
All das habe sich auch bewährt, so Angela Friesse. Der Gesetzgeber sehe jedoch eine getrennte Erfassung vor, weil aus Bioabfällen bei deren Verwertung ein höherer energetischer Effekt erzielt werden kann als beim Verbrennen von Hausmüll. Es sei aber auch legitim, Aufwand und Nutzen gegenüber zustellen. Ein neues System hieße, dass in dem Flächenkreis extrem viele Kilometer gefahren werden müssten, um relativ geringe Mengen einzusammeln. Im Kreisausschuss gab es nur Kopfschütteln für das Ansinnen des Gesetzgebers.
Im ländlichen Bereichen werde der öffentliche Nahverkehr aus Kostengründen reduziert, aber 14-täglich soll jedes Grundstück angefahren werden, hieß es. "Die getrennte Erfassung von biogenen Abfällen mittels einer Biotonne führt in jedem Fall zu einer Erhöhung der Abfallentsorgungskosten und damit zur einer Erhöhung der Abfallgebühren", bestätigte die Werkleiterin. Es gilt als sicher, dass der Kreistag am 15. April dem Konzept folgt. Dann geht es zum Land. Ob es genehmigt wird, sei völlig offen, so Friesse. Im schlimmsten Fall drohe die Einführung einer Zwangs-Biotonne.