Empfang des Landkreises MOL

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"Die Unsicherheit war groß. Gerade hatten die drei Altkreise große Umbrüche bewältigt und schon stand eine Kreisreform auf der Tagesordnung", blickte Gastredner Gunter Fritsch zurück. Für den einstigen Müncheberger ist noch immer jeder Auftritt in der Region ein Heimspiel. Es lag nahe, ihn, dem ersten Landrat des 1993 gebildeten Großkreises Märkisch-Oderland, die Entwicklung Revue passieren zu lassen. Er erinnere sich noch gut an die große Dynamik in der Verwaltung, sagte Fritsch. Die Menschen mussten enorme Umbrüche bewältigen, die Arbeitslosigkeit lag bei über 20 Prozent. Die Entscheidung für Seelow als Kreisstadt sehe er bis heute als Richtige. Es sei ein Signal dafür gewesen, die ländlichen Räume nicht abzuhängen. Er habe viel gelernt in seinen Jahren als Landrat. Geschätzt habe er vor allem den parteiübergreifenden Zusammenhalt, wenn es um Entscheidungen zum Wohle der Märkisch-Oderländer ging.
Er sehe mit Sorge, dass die Zeit rauer geworden ist. Fritsch appellierte: "Wir dürfen uns das freiheitliche Denken nicht durch aufkeimenden Hass zerstören lassen." Der Landkreis habe sich mit der Übernahme der Seelower Gedenkstätte ganz bewusst zu seiner Geschichte bekannt und als Mitgründer von Schloss Trebnitz wichtige Signale zur Völkerverständigung Richtung Osten gesetzt. "Märkisch-Oderland ist kein normaler Kreis in Deutschland", betonte Fritsch. "Er ist einer mit einer besonderen Geschichte und einer besonderen Mission."
Landrat Gernot Schmidt, zu Zeiten von Fritsch dessen Büroleiter, sprach von seinem Landkreis als Leuchtturm, der Strahlen in die Welt sendet. "Ein großer Strahl war immer die Verbindung nach Russland, nach Polen und dem Baltikum." 25 Jahre Märkisch-Oderland seien eine Erfolgsgeschichte, in der auch Krisen zu bewältigen waren. Dazu gehörte die Flüchtlingskrise. "Wir sind einen Sonderweg gegangen", erinnerte Schmidt - Wohnungsbereitstellung erst nach Heimunterbringung, konkrete Abrechnung statt Gesundheitskarte, Auszahlung der Leistungen statt Kontoüberweisung. Das habe sich bewährt, um den Kontakt zu den Flüchtlingen zu halten.
Der Kreis habe eine intakte Schullandschaft, stelle sich dem wachsenden Bedarf im Randberliner Bereich. Als richtig habe sich der Weg der Kommunalisierung des Krankenhauses erwiesen. Er sei dankbar für die zehn Millionen Euro, die der Bund jetzt für weitere Investitionen im Krankenhaus bereit gestellt hat. "Das bedeutet viel für Strausberg, Wriezen und Bad Freienwalde", so Schmidt.
Bezugnehmend auf die große Politik, kritisierte der Landrat, dass im Koalitionsvertrag nicht einmal das Wort "Unternehmer" vorkomme. Der Kreis habe viele innovative und erfolgreiche Unternehmer und Handwerker. Sie hätten das Land zu dem gemacht, was es heute ist. Zahlreiche Firmenchefs waren der Einladung zum Empfang gefolgt. "Sie haben ihren Platz unter uns", betonte der Landrat.
Als Erfolg wertete er die Neuausrichtung des Museums Altranft. Die Kulturstiftung des Bundes habe damit zu einer Zeit Neuland beschritten "als das Thema Heimat noch nicht bayrisch besetzt war". Heimat sei nicht Nationalismus oder Chauvinismus, sie sei die vielmehr Keimzelle des Wesen eines Volkes. Das lasse man sich nicht kaputt machen.