Die äußerst knappe Ablehnung des Beschlussvorschlages zur Beantragung von Fördermitteln für die Bahnhofsumfeldgestaltung in Küstrin-Kietz ist vielfach auf Unverständnis gestoßen. Aus Frankfurt hatte sich der langjährige Küstrin-Kietzer Bahner Horst Herrmann gemeldet. Küstrin-Kietz habe damit eine große Chance verpasst. Der Verkehrsexperte Karl-Heinz Boßan bezeichnete die Ablehnung als "nicht nachvollziehbar" und kommentierte ironisch: "Es wäre angebracht, um den Ort einen hohen Zaun zu ziehen, und auch keine polnischen Bürger in den Ort zu lassen!"
Der Antrag hätte jetzt eingereicht werden können, um Chancen auf eine 75-prozentige Förderung für den Umbau im Jahre 2019 zu haben. Für die 624 340 Euro teure Maßnahme hätte Küstriner Vorland 2019 lediglich einen Eigenanteil von 73 300 Euro aufbringen müssen. Nach den Planentwürfen hätte die Bahnhofstraße grundhaft ausgebaut werden können. Eine Buswendeschleife sollte vor dem Bahnhof gebaut werden. 153 Stellplätze für Pkw sollten das alltägliche Chaos der Pendlerautos beseitigen helfen.
Allerdings hatten die Gemeindevertreter einige Vorbehalte. Raimar Wendland hatte den Einsatz der Eigenmittel in Zeiten des Haushaltssicherungskonzepts bemängelt. Zudem hatte er kritisiert, dass die Vorlage vorher nicht in den Fachausschüssen diskutier worden war. Tatsächlich war der Auftrag für die im Gemeinderat vorgestellte Variantenplanung aus einer kleinen Runde mit Amtsdirektor und Bürgermeister erwachsen. Wolfgang Sauer hatte die Abstimmung mit der polnischen Seite hinterfragt.
An beiden Punkten will der Küstrin-Kietzer Ortsvorsteher jetzt ansetzen. "Ich habe bereits die Zusagen von in einigen Firmen, die sich an der Finanzierung der Eigenmittel beteiligen wollen. Vielleicht schaffen wir es sogar, ganz ohne kommunale Mittel auszukommen", erklärte Gerhard Schwagerick. Mit der Deutschen Bahn könne man auch noch einmal über die Vermessungskosten verhandeln. Zudem soll möglichst rasch ein Termin mit der Verwaltung von Kostrzyn stattfinden, um sich über das Vorhaben zur Bahnhofsumfeldgestaltung ebenso abzustimmen wie generell über die touristische Entwicklung im Bereich Kostrzyn/Küstriner Vorland. Die Berührungspunkte zwischen den ehemaligen Stadtteilen Küstrins werden ohnehin enger. Bereits jetzt ziehen polnische Familien in leer stehende Wohnungen und kaufen Einfamilienhäuser in Küstrin-Kietz. Polnische Kinder besuchen die Kita und die Schule in Manschnow, deutsche Kinder die polnische Kita in der Altstadt, gleich hinter der Oderbrücke. "Für unsere weitere Entwicklung müssen wir die Polen ins Boot holen. Es geht nur gemeinsam", ist Schwagerick überzeugt. Der Küstrin-Kietzer Bahnhof habe das zudem Potential, zu einem touristischen Knotenpunkt zu werden, von dem aus sich zum Beispiel Fahrradtouristen das deutsch-polnische Oder-Warthe-Gebiet erschließen können.