Um es vorwegzunehmen: Die Probleme, die es seit dem Einsatz neuer polnischer Triebwagen auf der Ostbahn seit Mitte Juni gab, wurden auf der Konferenz im Seelower Kulturhaus nur am Rande erwähnt. "Was nützen uns WLAN und neue Toiletten, wenn gleichzeitig 30 Prozent der Fahrgäste auf dem Bahnsteig bleiben müssen, weil die Kapazität der Wagen nicht ausreicht?", schimpfte Landrat Gernot Schmidt nur kurz.
Tatsächlich scheinen die Kinderkrankheiten beim Einsatz der neuen Technik langsam überwunden zu sein. "Inzwischen fahren die meisten Züge wieder mit zwei Triebwagen", sagte eine Sprecherin der Niederbarnimer Eisenbahn auf Anfrage.
Im Vordergrund stand dagegen die Frage, wie die Elektrifizierung und der zweigleisige Ausbau der Strecke zu erreichen sind, obwohl die Linie nicht wie erhofft in den Bundesverkehrswegeplan bis 2020 aufgenommen wurde. "Die Verkehrsader ist trotzdem intakt. Sie verbindet unsere Region mit Berlin wie auch mit Polen, was ganz wichtig und angesichts der derzeitigen Probleme in Europa auch nicht selbstverständlich ist", hob Schmidt hervor.
Seine Ankündigung, dass er deshalb in Kürze eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen werde, in der - wie er hervorhob - "nur Akteure mitwirken sollten, die wirklich etwas für die Ostbahn erreichen wollen und keine Bremser", rief dann bei einigen Teilnehmern aber doch etwas Verwunderung hervor. "Das Land und auch der Kreis waren es doch, die sich schwer taten, als wir ein EVTZ mit den Polen gründen wollten", sagte Seelows Bürgermeister Jörg Schröder. Die Abkürzung EVTZ steht für einen "Europäischen Verbund für die territoriale Zusammenarbeit", ein Modell, das für die Ostbahn im Gespräch war. Dessen Aufbaukosten erschienen Vertretern des Landkreises allerdings zu hoch.
Schmidt brachte stattdessen eine "Siedlungsgemeinschaft Ostbahn" ins Gespräch. Wenn dem Landkreis durch die geplante Verwaltungsreform tatsächlich die volle Verantwortung für Flurordnung und räumliche Entwicklungsplanung übertragen würde, "haben wir auch die Instrumente in unserer Hand", so der SPD-Politiker.
Zuspruch kam vom Infrastrukturministerium des Landes. Der Leiter der Verkehrsabteilung Egbert Neumann verwies darauf, dass die Deutsche Bahn trotzdem in die Strecke investieren wird. So sollen der Abschnitt von Strausberg bis Rehfelde zweigleisig ausgebaut werden und bis 2020 eine völlig neue Oderbrücke in Küstrin entstehen.
"Auch vom künftigen rot-rot-grünen Senat in Berlin darf man wohl eine eisenbahn-freundliche Politik erwarten", zeigte sich der Mitarbeiter der Berliner Verwaltung, Jürgen Murach, überzeugt. Anhand von Beispielen aus anderen europäischen Ländern, wo die Zahl grenzüberschreitender regionaler Zugverbindungen immer mehr gesunken sei, führte er den Tagungsteilnehmern vor Augen, welche Errungenschaft es ist, dass die Züge der Ostbahn bis nach Kostrzyn (Küstrin) und einige auch weiter durchfahren. "Der Bahnhof in Kietz gehört zu denen in Deutschland mit den meisten internationalen Zügen", betonte Murach.
Dass es nicht noch einfacher gehe, die Züge über Grenzen fahren zu lassen, liege an unterschiedlichen Zugsicherungssystemen und anderen bürokratischen Hürden in Europa. "Zwischen Lettland und Litauen fahren überhaupt keine Züge mehr, da müssen die Leute über die Grenze laufen", so Murach.
Bürokratisch empfanden einige Teilnehmer der Konferenz, die ihre Autos vor dem Seelower Kulturhaus geparkt hatten, freilich auch, dass sie eine Verwarnung wegen zu langem Parkens an ihren Windschutzscheiben vorfanden. Betroffen war unter anderem der Gorzower Vize-Landrat Marcin Cyganiak, der die Bedeutung der Ostbahn für seine Landsleute ebenfalls in höchsten Tönen gelobt hatte..