Hauptverantwortlich für diese Vielfalt ist Lutz Wercham. Sein Betrieb, der vor zwei Jahren vom Märkischen Saatgutverband als "Ausgezeichneter Saatbaubetriebe des Landes" zertifiziert worden war, baut auf 400 seiner rund 500 Hektar verschiedene Vermehrungssorten an. Neben Flachs und Winterraps auch Ölrettich, verschiedene Senfsorten, Futter- und Spielrasen, Erbsen und Klee. Der Werchamhof bestellt zehn Prozent der gesamten Vermehrungsfläche Brandenburgs. "Die Malven haben wir als Pilotprojekt erst einmal probeweise auf einem Hektar angebaut", erklärt Lutz Wercham, der auch zum Vorstand des im Prötzeler Ortsteil Harnekop ansässigen Märkischen Saatgutverbandes gehört. Bei einem Treffen der Züchterverbände mit Anbaubetrieben in Krefeld sei er auf die Idee gebracht worden. "Ich bin immer auf der Suche nach anderen exotischen Kulturen, die es sich lohnt, anzubauen", wobei er wieder auf die Blühstreifen zurückkommt, die wegen des dramatischen Insektensterbens vielerorts angelegt werden. "Diese Saatmischungen enthalten auch Malven, weil dies mit der Blütezeit gut zu den anderen Arten passt", sagt der 33-jährige Landwirt. Die Auszeichnung, von der auch ein Schild am Hofzaun kündet hat der Wilhelmsauer Betrieb übrigens auf Dauer bekommen, informiert Saatgutverbands-Geschäftsführer Werner Franke. Die Betriebe können sich jedoch nach fünf Jahren erneut den Prüfungen unterziehen, um ein zweites Mal ausgezeichnet zu werden. Aber schon der einfache Anbau von Saatgut bedeutet, dass der Betrieb und seine Fläche einer ständigen Kontrolle unterliegen. In diesem Jahr haben die Sonnewalder Agrargenossenschaft, die Getreide vermehrt, und die Agrar GmbH Flämingland in Blönsdorf die begehrten Titel errungen. Die Blönsdorfer gehören zu den größten Kartoffel-Vermehrern im Land.
Anbau wird genau untersucht
Auch große Agrarbetriebe wie die Landwirtschaft Golzow vermehren mitunter Getreide. Dies nicht zum Haupterwerb wie der Wercham-Hof, mehr sporadisch, wie Odega-Geschäftsführer Detlef Brauer erklärt. Auf einem großen Schlag zwischen Seelower Straße und Dammweg in Golzow wird derzeit für einen Saatgutzüchter Winterweizen vermehrt. "Das ist sehr aufwändig. Das damit bestellte Feld wird regelmäßig untersucht. Die zu vermehrende Getreidesorte darf nicht übermäßig mit anderen Arten verunreinigt sein", so Brauer. Fällt die Fläche bei der sogenannten Feldanerkennung durch, muss per Hand die Verunreinigung beseitigt werden oder das Getreide verliert die Wertigkeit als Saatgutvermehrung. Viele Landwirtschaftsbetriebe vermehren Saatgut für den Eigenbedarf, müssen dann aber auch Lizenzgebühren zahlen.