Am Rande des Lindendorfer Ortsteils ist am Dienstag die neue Hähnchenmastanlage der Groß Neuendorfer Odega-Gruppe eingeweiht worden. Das Unternehmen hat mehr als zwei Millionen Euro in die Anlage investiert, in der als erste in Ostdeutschland nach dem Fair-Mast-Prinzip produziert werden soll.
Die Liste der Gäste, die Odega-Chef Detlef Brauer am Eingang zu Halle 3 begrüßt, ist lang: Vertreter von Baufirmen, Planer und Baubetreuer sind ebenso darunter wie Banker, Lieferanten, Abnehmer, interessierte Landwirte und Odega-Mitarbeiter.
Keine acht Monate sind seit dem Baubeginn vergangen. Doch die Vorbereitung der Umnutzung der einstigen Milchviehanlage hat länger gedauert. Im Zuge der Milchpreiskrise habe man  bei Odega den Ausstieg aus der Milchproduktion beschlossen, erinnert Brauer. 2015 wurden die Sachsendorfer Rinder ausgestallt.
Auf der Suche nach einer Nutzungsalternative sei die Geflügelmast die erste Wahl gewesen. Aber „wir haben zur Kenntnis genommen, dass die öffentliche Meinung zu Mastanlagen in der Größenordnung, wie wir und viele Kollegen sie betreiben, kritischer geworden ist“, erklärt der Odega-Chef und bekennt: Er habe es persönlich „immer verabscheut“, Tiere nach wenigen Masttagen zu schlachten, um billiges Fleisch für den Massenkonsum zu liefern.
In der aus den Niederlanden stammenden Firma Agri Geflügel habe man den Partner für eine neue Haltungsform gefunden, die mehr Tierwohl gewährleiste – die mit Tierschutzorganisationen entwickelte Fair-Mast.
Die in der Sachsendorfer Anlage produzierten Hähnchen der langsam wachsenden Rasse Hubbard werden 56 statt der in der konventionellen Mast üblichen 38 Tage gemästet. Sie laufen auf Stroh, haben in Wintergärten mehr Auslauf, wachsen unter Tageslicht heran, können nach Futter scharren und auf Stangen erhöht sitzen. Doch manchem sei das nicht Argument genug.
Das Genehmigungsverfahren sei von „Beschimpfungen und Verunglimpfungen“ begleitet gewesen, erinnert Detlef Brauer. Lindendorfs Gemeindevertreter hatten das Vorhaben abgelehnt. Zur Einweihung der Anlage kam kein Lindendorfer Vertreter.
Es gehe um einen Kompromiss zwischen höchstmöglichem Tierwohl und frischem Geflügelfleisch, das „qualitativ hochwertig und dennoch bezahlbar“ ist, so der Odega-Chef. Der Vertreter der zur Plukon Gruppe gehörenden Agri Geflügel GmbH, Erlend Beltman, spricht von bis zu 40 Prozent teureren Fair-Mast-Produkten. Selbige sollen den Besuchern der Grünen Woche im Januar vorgestellt werden, so der Holländer. Er ist froh, dass die in Deutschland vermarkteten Fair-Mast-Hähnchen nun aus Sachsendorf und nicht mehr aus Holland kommen werden.
Agri Geflügel ist Partner von Odega für die Vermarktung. Geschlachtet werden die Sachsendorfer Hähnchen im Storkower Schlachthof. Die ersten Küken sollen am 12. November in zwei der vier komplett modernisierten Ställe einziehen. Insgesamt wird es in der Anlage 71 000  Mastpläze geben. Den symbolischen Schlüssel übergibt Detlef Brauer an die Odega-„Hähnchen-Queen“, Elke Hamann (56) aus Neurüdnitz. Ihr werden in Sachsendorf zwei neue, junge Mitarbeiter zur Seite stehen. Odega investierte 2,1 Millionen Euro in die Anlage. Brauer dankt allen an Planung, Bau und Ausrüstung Beteiligten, vor allem Bauleiter Mike Stenske.