Die Förderung von Tourismus und Gewerbe stand am Donnerstag im Mittelpunkt einer Rundreise von Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) durchs Oderbruch. Eingeladen hatte ihn seine Parteifreundin Simona Koß (MdL).
Wie sollen Radtouristen den Weg in die Gaststätte und Pension nach Reitwein finden, wenn das Landesumweltamt keine Schilder am Abzweig des Oder-Neiße-Radweges zulässt? Tausende Euro für die von der Behörde geforderte Baugenehmigung für ein Schild werde er nicht bezahlen, erklärte Ulrich Lindow in der Runde mit Minister Gerber in seiner Pension „Zur alten Scheune“. Lindow und seine Frau Christina haben die verfallene Scheune auf ihrem Hof ab 1995 ausgebaut. Doch seit Jahren geht die Zahl der Radtouristen, die vom zwei Kilometer entfernten Fünf-Sterne-Radweg zu ihnen abbiegen, zurück.
Für Johannes Große-Darrelmann steht die Ursache fest: Am Radweg fehle die touristische Infrastruktur. Radler, die das einmal festgestellt hätten, kämen nicht wieder, meint der Rechtsanwalt, der ein Neu-Reitweiner ist und sich als Gemeindevertreter im Dorf engagiert. Dass das Land jenen, die diese In-frastruktur mit privatem Kapital schaffen, das Leben erschwert, sei ein Unding, war man sich in der Runde einig. Simona Koß versprach, sich des Problems anzunehmen.
Bio-Landwirt Stephan Eckert und Wildblumen-Vermehrerin Nina Keller empfahl der Wirtschaftsminister, Rat und Hilfe im Frankfurter Regionalcenter der Brandenburger Wirtschaftsfördergesellschaft einzuholen. Denn die Treuhand-Nachfolgerin BIMA droht, den Reitweiner Existenzgründern durch die geplante Versteigerung des „Kommando“ am Ortsrand die Grundlage für die Entwicklung zu entziehen. Albrecht Gerber will der Bundesbehörde schreiben.
Dem amtierenden Reitweiner Bürgermeister Detlef Schieberle und der Vertreterin des Heimatvereins AnSporn, Karin Börner, sichern der Minister und Simona Koß die Prüfung von Fördermöglichkeiten für die Innensanierung des alten Fischerhauses, die Finanzierung des Reitweiner Musiksommers und andere Maßnahmen zu. Zum Beispiel über Lottomittel. Musik liege ihm als Sohn eines Kantors am Herzen, bekennt der aus Schleswig-Holstein stammende Gerber.
Dann geht es weiter nach Küstrin-Kietz, wo Mitglieder des Geschichts- und Kulturvereins „Kietz-Bahnhof-Dworzec Chyc“ sowie Vertreter aus Gemeinde und Amt die Besucher am Bahnhof erwarten. Der Tross fährt an Schlangen parkender, meist polnischer Pkw vorbei. Man wolle gegen das Gefühl des nach der Wende im Stich gelassenen Ortes ankämpfen, erklären die Kietzer und ihre Partner. Darunter der Vertreter der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), Sven Tombrink. Die NEB hat das Bahnhofsgebäude erworben, in dem Gerber und Koß als Letzte die Ausstellung „Voll der Osten“ sehen. Sie wurde extra bis Donnerstag verlängert.
Albrecht Gerber kennt das Konzept des Vereins für den Bahnhof, das den Ausbau einer Ferienwohnung und eines Cafés sowie Tandem-Sprachkurse vorsieht. Koß und er sehen Fördermöglichkeiten. Unter schattigen Bäumen im nahen Vogelpark sitzend, gibt sich der Wirtschaftsminister zuversichtlich, dass die Grenzgemeinde mittelfristig doch noch prosperieren werde. So wie alle Grenzregionen in der EU.
Dann kommen die Besucher in den Genuss des neuen Fahrradverleihs am Bahnhof. Der stellt ihnen Räder für die Fahrt auf dem Oder-Neiße-Radweg nach Kuhbrücke, zum Verein „Oderläufe“, und weiter zur Kienitzer „Hafenmühle“ zur Verfügung. Albrecht Gerber bekennt sich als begeisterter Radwanderer.