"Training ist wichtig." Marion Mussehl tätschelt "Amazone" am Hals. Mit ihrer braunen Stute plant die Pferdenärrin im Herbst wieder einen mehrtägigen Wanderritt. "Im Sommer ist es zu heiß", erklärt die Reiterin. Außerdem gebe es dann zu viele Bremsen. Das Frühjahr sei hingegen ideal für Ausflüge auf dem Pferderücken. Doch nach der Winterpause müsse sich das Englische Vollblut erst wieder an längere Strecken gewöhnen.
Immerhin, die Rückenmuskeln eines Rosses tragen seinen Reiter bei einem Tagestrip über Distanzen bis zu 35 Kilometer. "Meistens hat man auch noch Gepäcktaschen dabei", erklärt Marion Mussehl. Damit ihre Braune unterwegs nicht schlapp macht, will sie bald wieder täglich mit ihr über den Reitplatz traben. Manchmal gehe es auch im Galopp ins freie Gelände. "Die Ausritte werden von Mal zu Mal länger", erklärt sie den Übungsplan.
Neben der Kondition von Ross und Reiter, passendem Sattelzeug und frisch beschlagenen Hufen sei vor allem die logistische Vorbereitung eines Wanderritts das A und O, weiß Marion Mussehl. Bevor sie sich im vergangenen Herbst mit Tochter Paula auf den Weg nach Behlendorf bei Heinersdorf begab, studierte sie die Reitwanderkarte vom Netzwerk Reiten, die es kostenlos bei der Touristen-Information gibt. "Und über den Zoom von Google Maps sieht man sogar den Straßenbelag", schwärmt sie von dem interaktiven Navigationsdienst. So seien alte LPG-Plattenwege ebenso wie Teerbelag eher ungünstig für Pferdehufe. Unbefestigte Waldböden sind hingegen ideal.
Mit einigen Ausnahmen ist Reiten auch auf allen Waldwegen erlaubt. Einer speziellen Ausschilderung bedarf es nicht. Joachim Naß, Leiter der Oberförsterei Waldsieversdorf, verweist auf das Landeswaldgesetz. "Das Reiten ist auf Waldwegen und Waldbrandschutzstreifen zulässig. Waldwege sind Wirtschaftswege, die von zwei- oder mehrspurigen Fahrzeugen befahren werden können", zitiert er. Zu beachten sei aber, dass Waldwege grundsätzlich der Waldbewirtschaftung dienen. Dadurch könne es zeitweise zu Einschränkungen für Freizeit-Nutzer kommen, so Naß.
Wer es besonders abenteuerlich mag, könne samt Pferd und der schriftlichen Genehmigung sogar sein Zelt auf einer Lichtung aufschlagen. "Das gelegentliche und auf einen Tag begrenzte Zelten können Waldbesitzer genehmigen", gibt Joachim Naß den entsprechenden Passus wieder.
Ein Bett aus Moos ist aber nicht jedermanns Sache. Marion Mussehl legt jedenfalls Wert auf ein vernünftiges Nachtlager. "Nach einem Tages-Ritt ist das Ausruhen wichtig", sagt sie. Die Betten ihrer Wanderreitstation sind daher mit Druckstellenfreundlichen Schaummatratzen ausgestattet.
Weitere Informationen zu Wanderreitstationen sowie Empfehlungen zum Wegenetz im Seenland Oder-Spree und in Märkisch-Oderland gibt es beim Netzwerk Reiten oder unter www.reiten-os.de