An die langen Mäuseschwänze müssen sich die Schüler erst ein wenig gewöhnen. Wie eine junge Katze, die sich im Kreis dreht, um ihr wackelndes Etwas zu jagen, legen sich die Schüler vor Beginn der Proben den langen grauen Stoffschwanz über die Schulter oder kitzeln sich damit im Gesicht. Im Schloss Trebnitz ist die erste Probenwoche in vollem Gange. In dem Raum unterm Dach animiert Choreographin und Regisseurin Be van Vark die Schüler der fünften und neunten Klassen. In der ersten Woche sind die Kinder und Jugendlichen der Grundschule "Kinder von Golzow", der Grundschule am Botanischen Garten sowie des Karl-Liebknecht-Gymnasiums aus Frankfurt (Oder) dran. Als kleine Mäuse sollen sie, etwas ängstlich drein blickend, einer nach dem anderen über das Parkett hüpfen. Dann ertönt die Musik, und es geht los. Die Schüler sind diszipliniert bei der Sache, auch wenn das Einstudieren viel Konzentration erfordert.
Es gefalle ihr gut, erzählt die elfjährige Jasmin von der Grundschule aus Golzow. "Aber die Proben sind ein bisschen lang", sagt sie. Auch die 16-jährige Virgina aus Bleyen-Genschmar ist von dem Projekt angetan: "Das Singen, aber auch die Mischung aus allem macht mir viel Spaß", erzählt sie. Dazu gehörten auch die Proben in Gemeinschaft mit den Kleinen.
Zusammen mit dem Brandenburgischen Staatsorchester erarbeiten die Schüler das Stück "Orchestermäuse" von Fabian Künzli und Howard Griffiths. Die Oper, in der Mäuse, Katzen und ein Waldgeist aufeinander treffen, ist das sechste Education-Projekt des Brandenburgischen Staatsorchesters. Insgesamt nehmen laut Projektleiterin Elisaweta Sorokin vom Brandenburgischen Staatsorchester über 300 Kinder und Jugendliche daran teil. In mehreren intensiven Workshopwochen üben verschiedene Schülergruppen ihren Part ein. Am Ende sollen die einzelnen Teile der Oper zusammengeführt werden, so die Projektleiterin. Zusätzlich zu den Gesangsproben und dem Einstudieren der Choreografie gibt es laut Sorokin auch Projektgruppen, die sich um die Arbeiten hinter der Bühne kümmern. Einige Schüler nähen die Kostüme oder schneiden Videosequenzen zurecht, die bei der Aufführung an die Wand projiziert werden. "Die Schüler konnten sich selbst aussuchen, an welcher Gruppe sie teilnehmen möchten", erzählt sie. Bisher laufen die Proben laut Sorokin wie geplant. "Es ist eine tolle Truppe, alle haben viel Spaß", so die Projektleiterin. Zudem habe die Verschmelzung zwischen den Älteren und den Jüngeren gut geklappt.
Auch die Gesangsproben stehen an. Im ersten Stock begleitet Chorleiterin Tina Paar die Schüler am Klavier. Mal im Stehen, mal im Sitzen singen die Schüler in hohen und tiefen Tönen. "Jawoll", ruft Paar am Ende begeistert. Die ersten Fortschritte lassen sich bereits sehen und hören.