"Die meisten Bürger verwechseln die Bio- mit der einst hier bekannten Specki-Tonne", so die Erfahrung der Leiterin des kreislichen Entsorgungsbetriebes (EMO), Angela Friesse. Seit der EMO die Briefe an rund 6000 Grundstückseigentümer, darunter drei Großraumvermieter, verschickt hat, klingeln am Sitz in Strausberg die Telefone heiß.
Der Hintergrund: Der Gesetzgeber schreibt eine immer stärkere Getrennt-Erfassung und -verwertung des Abfalls vor. Dazu gehört auch die separate Erfassung von Bioabfall. Der Kreis hatte sich angesichts der ländlichen Region, in der viele einen Komposthaufen haben, lange gegen die Umsetzung gesträubt. "Das Land fordert von uns ein Handeln", erklärt Angela Friesse. Um überhaupt erst einmal Daten und Zahlen in der Hand zu haben, wird im April ein Modellversuch gestartet und zwar in Fredersdorf-Vogelsdorf, Seelow (einschließlich Werbig), Alt Tucheband mit allen drei Ortsteilen und Golzow. "Die Teilnahme ist freiwillig", betont die Werkleiterin. Darauf werde in den Schreiben, die in der vergangenen Woche an alle Haushalte bzw. an die Großvermieter herausgegangen sind, hingewiesen. Das heißt: Bis zum 28. Februar können Bürger beim EMO der Aufstellung einer Bio-Tonne an ihrem Grundstück widersprechen. Wer das nicht tut, bei dem wird sie im März durch das beauftragte Entsorgungsunternehmen automatisch aufgestellt. Miet- oder Aufstellungskosten fallen nicht an. Sie werden durch den EMO getragen.
Gebührenpflichtig wird dann jedoch die Leerung, die alle zwei Wochen erfolgt. "Die Nutzer können dadurch sparen, denn es wandert weniger Abfall in die graue Restmülltonne", sieht es Angela Friesse. Pro Einwohner fallen jährlich 50 bis 80 kg Küchenabfälle an - von Gemüsereste über Schalen bis hin zu Essensresten. Hinzu kommen Laub, Grünschnitt und anderer Abfall aus dem Garten oder vor dem Grundstück. Sie wandern bei vielen mit in die Restmülltonne. Noch bis Ende dieses Jahres erfolgt die Leerung der Restmülltonne nach dem Ident-Wäge-System. Das heißt, nur die tatsächlich vorhandene Menge Restmüll in der zu leerenden Tonne wird für den Gebührenbescheid berechnet. Bei einer vollen Tonne fallen etwa drei Euro an. Mit zwei Euro pro Leerung liegen die Gebühren für die Bio-Tonne deutlich darunter. "Wir wollen damit einen Anreiz schaffen, das neue Angebot zu nutzen", macht Angela Friesse deutlich. Und wirbt dafür, es auch zu nutzen. Man habe extra verschiedenen Orte ausgewählt, um beim Versuch Erkenntnisse zu gewinnen, die allgemein im Landkreis zutreffen. Der Modellversuch wird bis März 2018 laufen. Dann werden die Ergebnisse analysiert, wird der Kreistag entscheiden, wie und ob die freiwillige Biotonne flächendeckend in Märkisch-Oderland eingeführt wird. Noch gebe es keinerlei Erfahrungen. Auch in anderen Kreisen - laufen solche Versuche erst an, stehen erste Auswertungen bevor.
In diesen Tagen will der EMO eine Gesprächsrunde mit den drei Großvermietern - die Seelower Wohnungsbaugesellschaft sowie zwei in Fredersdorf-Vogelsdorf - durchführen, um die Details zu besprechen. Man brauche die Mitwirkung der Bürger, unterstreicht Angela Friesse. Sie erhalten auch noch Informationen darüber, was genau in die Biotonne gehört und was auf keinen Fall dort entsorgt werden darf, weil sonst der Inhalt einer ganzen Tonne letztlich wieder beim Restmüll landen und die Gesamtkosten der Gebührenzahler erhöhen würde. Der EMO geht davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Grundstückseigentümer die Tonne aufstellen lassen. Man werde sehen, wie das Angebot angenommen wird.
Alle Infos im Internet unter www.biotonne-emo.de