Es sind vor allem die Geräusche und der Duft von kräftiger Brühe, die Sigrun Jochen in Erinnerung geblieben sind, wenn sie durch die Mühle in Worin läuft. Sie war am Freitag gekommen, um mit dem Verein den Saisonstart zu feiern.
Sigrun Jochen ist die Tochter von Wilhelm Handke, dem letzten Müller der Mühle. Sie denkt gern an die Tage, in denen die Familie, mit ihren Eltern, Geschwistern, den Großeltern, Onkeln und Tanten, in genau diesen Räumen lebte, die heute als Ausstellungsort dienen. Im Zimmer neben der Küche schlief Sigrun Jochen mit den beiden Geschwistern und den Eltern. "Es gab immer etwas zu tun. Meine Großmutter konnte es gar nicht sehen, wenn wir mal rumsaßen und etwas malten. Dann hieß es gleich: "Hast du nichts zu tun?'", erinnert sich die heute 72-Jährige. Vor allem in Stoßzeiten nach der Ernte sei es den ganzen Tag in der Mühle sehr laut gewesen. Mägde und Knechte haben in den Zimmern in der ersten Etage geschlafen. "Alle wurden hier versorgt und beköstigt", sagt Sigrun Jochen. Denn zur Mühle gehörte auch die Landwirtschaft. "Ich erinnere mich noch sehr gut, wie alles hier aussah."
In der Waschküche, die heute für Besucher nicht zugänglich ist, ist nicht nur die Wäsche von allen Menschen, die in der Mühle lebten und arbeiteten, gewaschen worden, sondern sie diente auch zum Schweine schlachten. "Meine Mutter, eine Tante und meine Oma machten Leberwurst und Blutwurst selbst. Der Geruch während dieses manchmal wochenlang andauernden Schlachteprozesses lässt sich nur schwer beschreiben. Es war ein kräftiger Brühegeruch", erinnert sich Sigrun Jochen.
Etwa 1959 hatte Wilhelm Handke die Mühle von seinem Vater übergeben bekommen. Standen die Fuhrwerke vor dem Haus, wusste Sigrun Jochen sofort, was ihr blühte: von morgens bis abends war viel Bewegung um die Mühle. Ihr Vater schrotete das Getreide und stapelte es in Säcken, als Futtermittel für das Vieh der Bauern. Doch es waren auch schwierige Zeiten für den Müller, die folgten. Als die erste LPG von Bernhard Grünert gegründet wurde, sträubte er sich, seine Mühle herzugeben. Als Grünert verbot, dass der Müller die Bauern mit Futter beliefert, war dass das Ende für den Mühlenbetrieb in privater Hand.
Seit 1985 ist das Gelände im Besitz der Gemeinde. "Hätte die Familie nicht noch hier gelebt - auch nachdem die Mühle nicht mehr in Betrieb war- wäre viel von der historisch wertvollen Technik nicht erhalten geblieben", erklärt Karin Nawroth, Vorsitzende des Vereins Wassermühle Worin, stolz. Der Verein hat bereits einige Termine für diese Saison geplant. Dazu gehört etwa der deutsche Mühlentag, der jedes Jahr am Pfingstmontag gefeiert wird. Ein kleines Programm wird derzeit noch geplant. Auch ein Sommerkonzert an der Mühle steht auf der Agenda, ebenso ein Nachmittag mit den Asylbewerberfamilien, die seit einiger Zeit in Worin leben.
Die ehemalige Deutsch- und Kunstlehrerin Renate Baude stellt noch bis zu den Sommerferien ihre Bilder in der Mühle aus. Die Worinerin zeigt Arbeiten von ihren Anfängen während des Studiums bis hin zu abstrakten Malereien, die während ihrer Zeit als Lehrerin am Seelower Gymnasium entstanden sind. "Ich bin auch mal umgestiegen und habe Bilder gemalt, die eher dem Kubismus zuzuschreiben sind", erklärt sie. "Das ist mein Beitrag, um noch mehr Besucher in die Mühle zu locken."