Lebus hat Schriftstellernachwuchs. Die "Oderlinge", eine Gruppe junger Autoren und Illustratoren, ist angetreten, die Tradition eines Günter Eich fortzuführen. Im Vorfeld der im kommenden Jahr anstehenden 800-Jahrfeier von Lebus haben die "Oderlinge" jetzt ihr erstes Werk vorgestellt: ein Kinderbuch mit dem Titel "Oderry und der Spuk von Lebus". Bei einer Lesung im bis auf den letzten Platz besetzten Veranstaltungsraum im "Haus Lebuser Land" gab es Riesenapplaus – und höchstes Lob vom Profi.
"Die Kinder haben hoch motiviert, sehr engagiert und schnell gearbeitet. Sie hatten unglaublich gute Ideen, waren in jeder Hinsicht sehr kreativ", sagt Carina Bunt. Die in Buckow lebende Kinderbuchautorin und ihr Mann, der Illustrator Günter Beator, haben im Herbst im Lebuser Kinder- und Jugendhaus mit Unterstützung von Schulsozialarbeiterin Maren Nickel eine Woche lang intensiv mit zunächst zwölf "Oderlingen" am Buch gearbeitet. Nur ein Schüler hat das sprichwörtliche Handtuch geworfen.
Talent-Wettbewerb im Vorfeld
Die Autoren und Illustratoren sind alle Viertklässler. Um die zwölf Plätze im Buchprojekt hatte es eine Art Wettbewerb gegeben. Jeder der zwischen 9 und 10 Jahre alten Schüler hatte im Vorfeld eine Geschichte geschrieben. Die Hälfte der Klasse hat am Ende beim Buchprojekt mitgemacht.
Wer ist Oderry? Und stammen die wunderbaren Aquarell-Zeichnungen, mit denen das 35 Seiten starke Kinderbuch illustriert ist, wirklich von den Kindern? Die Antwort auf die zweite Frage lautet: bis auf die ersten zwei Aquarelle, die Günter Beator gemalt hat, sind alle anderen Arbeiten der "Oderlinge"-Illustratoren Jonas, Luisa, Anna, Lilian, Emily, Emma, Lea und Carlo.
Die spannende Unterwassergeschichte, in deren Mittelpunkt das freundliche, blau-grüne Flussungeheuer Oderry steht, haben Jylie, Annemarie, Nele und Finja erdacht und aufgeschrieben. Sie habe nur den Ausgangspunkt in Gestalt ihres Buckower Seeungeheuers Schermützel und seiner Freunde mitgebracht, sagt Carina Bunt. Denn die Geschichte beginnt mit einer in Buckow eintreffenden Flaschenpost, in der das Oderry seinen alten Schulfreund um Hilfe bittet. Das Schermützel macht sich mit "Perle", der Muschel, und Krebs "Schere" auf den Weg nach Lebus, zum Oderry, das in einem alten Kahn auf dem Grund der Oder zuhause ist.
Die Auszüge aus dem im Buckower Beator-Eigenverlag erschienenen Büchlein, die Jylie, Nele und Annemarie vorgelesen haben, machten viele neugierig auf die ganze Geschichte und ihre Lebuser Protagonisten. Die wichtigsten sind neben Oderry das Pferd Lebusi mit seinem Pfauenschwanz, die Nixe Odinchen, Aal Anna, der schlaue Fuchs Luc von Amts – und das Burggespenst Huck-Leberecht, das verrückt spielt und die Lebuser aus der Stadt vertreibt. Das gute Ende der Geschichte gefällt Ortschronist Manfred Hunger ganz besonders. Denn er soll Hilfe bekommen.
"Oderry" bekommt Briefkasten
Das Erscheinen des Buches, das es in vorerst 200 Exemplaren gibt und  das für eine Spende zu haben ist, soll noch nicht alles gewesen sein. In der neuen Schriftsteller-AG der Burgschule unter Leitung von Maren Nickel werden die "Oderlinge" weiter schreiben. Wer Ideen beisteuern möchte, kann dem "Oderry" schreiben. Das Lebuser Flussungeheuer soll am Kinder- und Jugendhaus einen eigenen Briefkasten bekommen! Und Jylie Naumann hat den Buchtext schon als Hörbuch gelesen.
Als ob die Buchpräsentation nicht schon genug gewesen wäre, gab es bei der Lesung im "Haus Lebuser Land" noch einen zweiten Teil: Die Sechstklässler, die sich im Rahmen eines Schreibworkshops mit Lebuser Sagen auseinander gesetzt hatten (MOZ berichtete), brachten sechs ihre daraus entwickelten zwölf Geschichten zu Gehör.
Auch sie sollen publiziert werden. Mit Unterstützung der "Aktion Mensch" ist eine illustrierte Broschüre in Vorbereitung. Sie soll beim Neujahrsempfang des Lebuser Heimatvereins vorgestellt werden, kündigte dessen Vorsitzender Günter Fehling an.