Sie haben etwas von Schatzsuchern. Marcel Ludewig läuft mit einer Teppichsonde Meter um Meter durch Rathstock, auch am Herrenhaus vorbei. Um seinen Hals hängt ein Gasmessgerät. Die Sonde saugt Luft an. Das kleine Messgerät zeigt dem Fachmann sofort an, wenn Methan in der Luft ist.  Sobald der Methan-Anteil pro Kubikmeter höher als ein Hunderttausendstel ist, piept das kleine Gerät. Sebastian Pförtner läuft neben seinem Kollegen, ein Tablet in der Hand. Darauf ist exakt verzeichnet, wo eine Gasleitung entlang führt. Er würde, wenn das Messgerät anschlägt, sofort den Punkt dokumentieren. Doch die Anschläge im Gerät sind außerordentlich selten. "Ich mache das seit 2010", erzählt Ludewig. "Damals haben wir öfter Schadstellen gefunden. Heute sind sie die Ausnahme."
Sicherheit des Netzes ist A und O
Was letztlich an dem strengen Kontrollsystem liegt, erklärt der Seelower EWE-Bezirksmeister Matthias Ruback. Alle vier Jahre werde jede in der Region verlegte Leitung kontrolliert, ebenso sämtliche Hausanschlüsse.  Die EWE vergebe jährlich die Aufträge für das aufwendige Kontrollverfahren. Seit Jahren ist das Unternehmen GDF aus Fredersdorf-Vogelsdorf Partner des regionalen Erdgasversorgers. "Die Männer können sich ausweisen", betont Ruback. Immer wieder gebe es auch mal Nachfragen am Sitz in Seelow. Bürger würden sich erkundigen, ob das mit den Prüfern seine Richtigkeit hat. Das sei auch völlig in Ordnung, denn es gebe nun mal immer wieder Menschen, die solche wichtigen Qualitätskontrollen für dunkle Geschäfte missbrauchen. Um etwa auf Grundstücke zu kommen und Bereiche auszuspähen.
"Wir betreten kein Grundstück, wenn die Eigentümer nicht zu Hause ist", versichert Marcel Ludewig. In solchen Fällen wandert ein Zettel in den jeweiligen Briefkasten, wird ein Nachkontroll-Termin genannt. "Und wenn es mal gar keine Reaktion gibt, dann schreiben wir den Kunden an, bitten um Rücksprache zwecks Terminabsprache", erklärt Ruback.
Am liebsten arbeiten die Männer von GDF, die im gesamten Landkreis in drei Kolonnen unterwegs sind, im ländlichen Bereich, so wie in Rathstock und jetzt in allen Ortsteilen von Küstriner Vorland. Die Leute seien entgegen kommend, würden die Aktion als das sehen, was sie ist – ihrer Sicherheit dienend. Die Kontrolleure müssen dabei gut zu Fuß sein. Allein in Küstriner Vorland laufen sie 32 km Ortsnetz ab. Sind sie dort fertig, geht es nach Letschin. Da werden sie am Ende 178 km zu Fuß absolviert haben. Tag für Tag müssen sie konzentriert bei der Sache sein.
Zaunpfähle als Leitungs-Killer
Um nicht in Betriebsblindheit zu verfallen, wechseln die Kolonnen untereinander. Marcel Ludewig war vor zehn Jahren das letzte Mal in Rathstock. Vieles kennt er, aber es gebe auch Neues. Problemfälle gebe es kaum noch. In den ersten Jahren habe man oft festgestellt, dass Leitungen überbaut wurden – mit Teichen, Carports oder Anbauten. In solchen Fällen müssen die Kunden ihre Leitungen von Fachleuten ordnungsgemäß verlegen lassen. Das klappe auch gut, sagt Ruback. Inzwischen sei eine Grundordnung hergestellt. Bei Neubauten werde ohnehin genau auf die Lage der Medien geachtet.
Doch nach wie vor werden immer wieder mal Lecks (amtsdeutsch: Leckagen) entdeckt, weil etwa Zaunpfähle gesetzt wurden, die unbemerkt die Erdgasleitung touchieren. Bei Regen müssen die Kontrolleure übrigens pausieren. Regen verdichtet den Boden. Die Gas-Moleküle werden feiner, sind dann nicht feststellbar. Dann gibt es eine Zwangspause. Regentage werden meist an Sonnabenden nachgeholt. Für die Kunden sind diese Sicherheitsüberprüfungen übrigens kostenfrei. Die Mittel für die teuren Kontrollen kommen letztlich aus den Gastarifen.