"Lebensgemeinschaft Hackenow" steht auf dem Schild am Hackenower Weg 6. Nur eines der roten Backsteinhäuser, die einst jeweils sechs Wohnungen beherbergten, ist von der Straße aus zu sehen, das andere ist von einem Wildpark umgeben. Ein grüner Weg entlang eines Meliorationsgrabens führt dort hin.
"Wir sind bereits die zweite Besetzung hier. Die, die mal anfingen, haben bereits aufgegeben", erzählt Sheary Bleiberg. Mit ihrem Partner Paul Müller hat sie sich bis Ende September eine Frist gesetzt, um zu entscheiden, wie und ob das Ensemble entwickelt werden kann. "Wir beide allein können das nicht packen", erklärt die Psychologin. "Ich arbeite bereits halbtags, Paul ist oft auf Montage."
Derzeit wohnen mit Mareen, Arvid und Björn drei Interessenten probeweise dort. Ihnen allen hat es die Landschaft angetan, die Abgeschiedenheit, die Stille, die alten Obstbäume und nicht zuletzt die Geschichtsträchtigkeit des Ortes. "Wir finden immer wieder neue Hinweise auf das Leben in den vergangenen 100 Jahre hier", sagt Shaery Bleiberg. Ds gibt es Fotoalben, Briefe und Spielzeug. Interessiert lauschen sie auch den Geschichten, die ihnen zugetragen werden. Wie die von einer Witwe, die in einer Wohnung verbrannte. In einem Flur soll auch mal ein Pferd gehalten worden sein. Kachelöfen, der Zuschnitt der Kammern und vieles mehr künden von der Lebensweise der einfachen Leute.
Josef Augustin, einer der Nachbarn der Landarbeiterhäuser, kennt die Geschichte seit 1951. Seine Familie war aus Oberschlesien vertrieben worden, hat sich in Hackenow eine neue Existenz aufbauen müssen. "Die Häuser waren wohl mal als Schnitterkaserne für das Gut gebaut worden. Später wohnten da Landarbeiterfamilien drin", berichtet er. Nach dem Krieg, Alt und Neu Tucheband waren fast zu 100 Prozent zerstört, lebten auch Vertriebene aus Schlesien in den Häusern, darunter Maurer und andere Handwerker. "Jeder hatte sein Gärtchen und viele hielten eine Ziege und Kaninchen in den Ställen gegenüber der Häuser", weiß Augustin.
Schon zu DDR-Zeiten wurden die Häuser mehr und mehr leer gezogen, wie Hans Andreas, der Ortschronist von Alt Tucheband, erzählt.
Paul Müller, er ist in der Solarbranche tätig, sieht natürlich den großen Sanierungsbedarf in den Wohnungen. Es gibt aber Strom und Wasser. Die Klärgrube scheint dicht zu sein. Die Wohngemeinschaft hat sich bereits ein Öko-Klo gebaut. "Wir suche auch den Kontakt zu ähnlichen Projekten in der Region, kennen die Solidarische Landwirtschaft in Basta etwas", erzählt Sheary Bleiberg. Die 1,8 Hektar große Gartenfläche , die zu den Häusern gehört, könnte wieder bewirtschaftet werden. Von den Produkten sollten das alle profitieren, schwebt den "Neuen Kolonisten" vor. Aber konkreter können sie erst planen, wenn klar ist, wer dabei mitmacht. Die Aktionstage Gemeinschaftliches Wohnen werden von der in Seelow aufgewachsenen Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) gefördert.
Tag der offenen Tür, Lebensgemeinschaft Hackenow, Sonntag ab 15 Uhr