Derzeit erinnert nicht viel an den Glanz des Inspektorenhaus am Schloss. Es hat zwar neue Fenster, aber ansonsten verleiht der typische grobe Fassadenputz dem Gebäude wenig Charme. Vor drei Jahren hatte es der Förderverein des Internationalen Archivs für Heilpädagogik von der Kommune erworben. Schrittweise wurde die untere Etage hergerichtet. 80 000 Euro hat der Verein aus eigenen Mitteln aufgewendet, um es als Stätte des Lernens und Forschens zu gestalten. "Es gibt viele Praktikanten, Studierende, aber auch Lehrende, für deren Arbeit es wichtig ist, die Wurzeln der Heilpädagogik zu verinnerlichen. Hier haben sie dafür alle Möglichkeiten", sagte Gabriela Zenker. Die Vereinsvorsitzende unterhält im Sauerland selbst eine Praxis für Heilpädagogik, und betreut rund 140 Kinder und Jugendliche.
Das Archiv hatte einst seinen Sitz in Berlin, musste expandieren. Es ist Anlaufstelle für Interessenten aus ganz Deutschland und auch aus der Schweiz. In Trebnitz habe man den idealen Ort gefunden, so Gabriela Zenker. In der Heilpädagogik gehe es um gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen. Das werde in der Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz seit Jahren täglich gelebt. Der neue Sitz bringe viele Synergieeffekte. Ein Punkt, der im Förderprozedere mit ausschlaggebend dafür war, dass die Sanierung des denkmalgeschützten Inspektorenhauses ganz obenan auf der Prioritätenliste der LAG Märkische Seen landete, wie Geschäftsführerin Grit Körmer betonte. Sanierung von Gebäuden nützte nichts, wenn sie nicht mit Leben erfüllt werden. 404 000 Euro sind für die Sanierung geplant. Agrarminister Jörg Vogelsänger übergab einen Förderbescheid von 301 000 Euro.
Einen zweiten Bescheid übergab der Minister für die denkmalgerechte Sanierung des einstigen Waschhauses gleich nebenan an den Vereinsvorsitzenden von Schloss Trebnitz, Christoph Berendt. 604 000 Euro sind veranschlagt, 423 000 Euro fließen nun als Förderung. In dem Klinkerbau soll das künftige Seitz-zentrum entstehen. Das befindet sich derzeit noch in Hamburg, soll komplett ins Oderland ziehen. Gustav Seitz war einer der bedeutendsten Bildhauer der Nachkriegszeit. Seine Figuren - wie etwa die von Käte Kollwitz oder Bertolt Brecht - stehen im öffentlichen Raum und Museen. In zahlreichen Projekten der Bildungsstätte geht es auch um kreative und künstlerische Arbeit, erläuterte Einrichtungsleiter Darius Müller. Die erhalte mit dem Zentrum einen ganz neuen Stellenwert. Die Öffnung von Bildungszentren sei ein wichtiger Aspekt in der regionalen Konzeption der LAG, betonte Grit Körmer. Trebnitz mit dem Schloss, der Alten Schmiede, dem Dorfladen und dem Café in der Remise und nun dem Seitz-Zentrum sei ein Beispiel, wie das gelingen kann.
Brandenburg habe bezüglich der Schlösser ein großes Erbe, unterstrich Minister Vogelsänger. Das Problem sei oft die Nachnutzung. In Trebnitz erfolge dies auf geradezu vorbildliche Weise. Ihn freue auch der Dorfladen, in dem regionale Produkte eine Chance haben.