"Alle Jäger werden gebeten, sofort Meldung an die Polizei zu machen, falls ihnen etwas derartiges auffällt", alarmierte Max-Georg von Korff, Vorsitzender des Seelower Kreisjagdverbandes, am im April 2020 Jagdpächter und Jagdgenossen sowie Landwirte und Tierhalter. Bei der Landespolizei wurde eine Anzeige erstattet. Zudem wurde die Bundespolizei, die im Grenzgebiet auch landespolizeiliche Aufgaben erfüllt, in Kenntnis gesetzt.
Update:  Am 1. Mai 2020  gelang es der Polizei nach Hinweisen eines Golzower Jägers, einige von der Gruppe zu stellen. "Wir Jäger sind auf der Hut und verständigen uns untereinander, wenn wir Wilderer feststellen, um uns gegenseitig zu helfen", berichtete Jäger Klaus-Dieter Lehmann über einen erneuten Vorfall am 1. Mai, bei dem einer der Golzower Waidmänner von den Wilderern sogar persönlich bedroht worden war.

Kreisjagdverband schlägt Alarm

"Die Landwirte werden ebenfalls gebeten, Meldung zu machen", so von Korff. Zwar gibt es aktuell keine Gesellschaftsjagden, aber die individuelle Jagd ist erlaubt.
Jäger aus dem Oderbruch haben bereits persönlich Bekanntschaft mit einer Gruppe der Wilderer schließen "dürfen". "Bitte keine eigenmächtige Aktionen. Diese Männer sind gefährlich!", warnen sie eindringlich, nachdem sie bereits massiv bedroht worden sind.
Bereits im vorigen Jahr waren die Wilderergruppen, man geht von etwa 50 Männern aus, die sich irgendwo in der Region mit Wohnwagen Quartier gesucht haben, im Oderland unterwegs. Nach Zeugenbeschreibungen sind die Täter in größeren Geländewagen, unter anderem, einem weißen Toyota Hilux, unterwegs. Sie hetzen die aktuell noch in Sprüngen beieinanderstehenden Rehe zuerst mit ihren Fahrzeugen bis sie erschöpft sind und lassen dann ihre großen Jagdhunde, darunter weiße windhundähnliche Tiere, los, die die Rehe dann quälen. "Sie fahren völlig rücksichtslos über die jetzt trockene Feldflur, stoppen auch an Straßen nicht, sondern verfolgen das Wild in schneller Fahrt", berichtet ein Zeuge, der nun hofft, dass sich die Polizei der Wilderei annimmt. In der Polizeiwache Seelow ist die Situation bereits bekannt, erklärte Wachenleiterin Beatrice Ortmann. Am Samstag waren die Beamten bereits zu einem Einsatz in Golzow gerufen worden. Der allerdings keinen Erfolg gebracht habe.
Roland Valentin, der Bundespolizist ist selbst Jäger im Oderbruch, verweist neben den kriminellen auch auf die tierschutzfachlichen Aspekte. "Viele Ricken sind derzeit hochtragend. Sie zu hetzen, ist natürlich eine enorme Quälerei für die Tiere."  Zu den Motiven und der Herkunft der Täter können die Jäger nur spekulieren. Sie hoffen, dass es gelingt, ihnen mit den Hinweisen  aus der Bevölkerung das Handwerk legen zu können. Das sollte man aber in jedem Fall der Polizei überlassen. Denn, dass die Wilderer auch zur Waffe greifen, könne man nicht ausschließen.

Aus anderen Ländern bekannt

Bislang wurden solche Fälle, bei denen mit Geländewagen und großen Hunden Rehe gehetzt wurden, im Oderland nicht öffentlich gemacht. Aber es gibt eine Reihe von Zeitungsberichten aus anderen, zumeist westlichen Bundesländern, in denen solche brutalen Verstöße gegen den Tierschutz auch Gegenstand von polizeilichen Ermittlungen werden. Die Gier nach Trophäen und Wildfleisch steht bei den Motiven dort eher im Hintergrund.
Hinweise sind bei der Polizei unter der Telefonnummer 03341 3300 erbeten.