Unrentable Bahnstrecken sollen auf den Prüfstand. Der Linie OE 60 Frankfurt-Eberswalde droht die Schließung, weil zu wenige Fahrgäste sie nutzen. Dagegen hat sich jetzt in der Region massiver Widerstand formiert.
Bahnstrecken, die weniger als 500 Fahrgäste am Tag haben, soll es möglicherweise ab 2017 nicht mehr geben. Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) wird am Montag bei der Konferenz des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg seine Einsparvorhaben präsentieren. Einen Tag später sollen bei der Regionalkonferenz in Fürstenwalde die Details für Märkisch-Oderland bekannt gegeben werden.
Noch lägen keine konkreten Festlegungen vor, informierte Jörg Schleinitz vom Wirtschaftsamt des Kreises im Wirtschaftsausschuss. Doch dass auch diese Strecke ein heißer Kandidat ist, hat das Ministerium bereits bestätigt. Stehen die Linien erst einmal in solch einem offiziellen Papier, dann werde es schwer, noch eine Änderung zu bewirken, bekannte Schleinitz. Deshalb hat Landrat Gernot Schmidt (SPD) bereits einen Brief an seinen Parteifreund Vogelsänger geschickt. Darin fordert er für Märkisch-Oderland den Erhalt der Linie. Neben der Ostbahn sei es die einzige Schienenverbindung im Landkreis, die noch dazu die wichtige Achse Richtung Eberswalde bedient.
Besteller des Schienenverkehrs ist das Land. Vor Ort will man Schließungs-Überlegungen nicht widerspruchslos hinnehmen. Nach Bekanntwerden der Potsdamer Pläne verständigten sich die Verwaltungsspitzen der Ämter Lebus, Golzow, Neuhardenberg und Seelow-Land sowie der Gemeinde Letschin und der Kreisstadt. Im Ergebnis verabschiedeten sie ein von allen Beteiligten der Kooperationsgemeinschaft "Oderlandregion" unterzeichnete Willensbekundung. Darin verweisen sie auf die seit Jahren laufenden Bemühungen, die Bahnstrecke und das Umfeld zu beleben. Im Sommer startet der Landkreis ein Rufbussystem, mit dem auch die Erreichbarkeit der Bahnhöfe entlang der Strecke deutlich erleichtert werde. In Seelow stünden die Zeichen gut, um die Gestaltung des Umfeldes in Angriff zu nehmen. Damit soll der Haltepunkt attraktiver werden und die Entwicklung der Gedenkstätte mit forcieren. In Schönfließ wurden eine Buswendeschleife und Umsteigemöglichkeit am Bahnhof geschaffen. In Letschin befindet sich das seit Jahren sehr gut von Einheimischen und Auswärtigen angenommene Eisenbahnmuseum. Zudem soll ein Kulturbahnhof entstehen. "Viele Rad- und Wanderwege haben eine direkte Anbindung an die Bahnhöfe und erlauben so die Erreichbarkeit der Kulturlandschaft Oderbruch", heißt es in der Willensbekundung.
Für die Erreichbarkeit des Oberzentrums Frankfurt (Oder) sei die OE 60 die einzige Schienen-Linie, wird argumentiert. Für die Kommunen im Einzugsbereich der Strecke wäre die Schließung der Strecke fatal. Die Vertreter der Oderlandregion bieten bitten den Minister, solch ein Ansinnen zu überdenken und bietet umgehend Gespräche an. Da die Pläne erst spät bekannt wurden, konnte auch erst kurzfristig reagiert werden.