Thomas Böduel spricht von einem umfangreichen, komplizierten Geschäft, wenn er über Adoptionen redet. Seit etwa zehn beschäftigt sich der Jugendamtsleiter von Märkisch-Oderland mit dem Thema - unter anderem. Hauptsächlich kümmert er sich zusammen mit 22 Kollegen im Kreis um die sogenannten Kinderschutzmeldungen. Das sind Hinweise darauf, wenn ein Kind akut gefährdet ist. Wenn es verwahrlost oder unterernährt ist, wenn ihm Gewalt angetan wird, körperliche oder seelische. 534 dieser Kinderschutzmeldungen sind vergangenes Jahr bei der Behörde eingegangen. "Eine erschreckend hohe Zahl", schätzt Böduel ein. "Denn hinter jeder Meldung verbirgt sich ein trauriges Schicksal." 2013 sind es bis jetzt bereits 430 Meldungen. Böduel geht davon aus, dass am Jahresende eine ähnlich hohe Zahl wie im Jahr zuvor herauskommen wird.
Im Vergleich dazu sind Fälle, die mit Adoptionen zutun haben, zwar verschwindend gering. Der Trend ist laut Böduel in Märkisch-Oderland seit Jahren rückläufig. Zwischen zwei und drei Mütter hätten zuletzt ihre Babys pro Jahr zur Adoption freigegeben, sagt der Jugendamtsleiter. Etwa drei Adoptivkinder hätten jedes Jahr versucht, über den Landkreis ihre leiblichen Eltern zu finden. "Das hört sich zwar wenig an", sagt Thomas Böduel. "Aber dahinter steckt viel Arbeit." Zwei speziell geschulte Kollegen waren ausschließlich mit dem Thema beschäftigt. Immerhin geht es um ein sensibles Thema, umfangreiche Recherchen und Archivsuche, Beratung, Vermittlung, langwidrige Prüfungsverfahren, die Betreuung von Eltern, die ihr Kind abgeben wollen. "Ein lebenslanger Rechtsvorgang muss fixiert werden", sagt Böduel.
Seit dem 1. Juli ist nun nicht mehr der Landkreis für Adoptionsfragen zuständig, sondern eine extra eingerichtete Adoptionsvermittlungsstelle in Oranienburg. Drei Vollzeitmitarbeiter beraten und begleiten dort künftig Eltern, die ihre Kinder abgeben wollen, und prüfen potenzielle Adoptionsbewerber. Neben Märkisch-Oderland haben drei weitere Landkreise die Aufgabe dorthin abgegeben - Uckermark, Barnim und Oderhavel. Die Kreise versprechen sich durch die Vermittlungsstelle unter anderem eine "Bündelung personeller und materieller Kapazitäten sowie eine Qualitätsentwicklung in der Vermittlungsarbeit". Landkreissprecher Tobias Seyfarth sagte dazu, dass die zentrale Vermittlungsstelle ein gutes Beispiel dafür sei, wie landkreisübergreifende Zusammenarbeit funktionieren kann.