Die Auftaktveranstaltung zur Bildung des ersten „Europäischen Verbundes für territoriale Zusammenarbeit“ hat gestern Vertreter der Gemeinden im künftigen Eurodistrikt „Transoderana“ vereint. Der Distrikt umfasst ein 7000 Quadratkilometer großes Gebiet entlang der Ostbahn zwischen Berlin und Pila.
„Es ist gut, wenn die Bahnen zwischen Berlin und Gorzow oder später bis Pila mit 120 Stundenkilometern fahren. Wenn die Bahnstrecken und Bahnhöfe erneuert und die Züge modern sind. Aber das ist kein Selbstzweck. Es geht um viel mehr!“ Karl Heinz Boßan, Geschäftsführer der nach europäischem Recht gebildeten Firma IGOB Interessengemeinschaft Eisenbahn Berlin-Gorzów (EWIV) hatte bereits am Mittwochabend im Seelower Bauausschuss leidenschaftlich dafür geworben, dass der Traum von einer eigenständigen Förderregion entlang der historischen Ostbahnlinie Wirklichkeit wird. Für die Bildung dieses etwa 7000 Quadratkilometer großen Fördergebietes haben sich auch die entscheidenden Gremien des europäischen Parlamentes, der Bundesregierung und des Landes ausgesprochen.
Ein Beispiel, welchen Namen sich das Ostbahn-Projekt bereits in Brüssel und Straßburg gemacht hat, gab zur gestrigen Auftaktveranstaltung im Landratsamt Pauline Pupier. Die junge Französin hatte das Projekt im europäischen Ausschuss der Regionen vorgestellt. Vom Bundesverkehrsministerium und vom EU-Parlaments-Mitglied Joachim Zeller gab es Grußworte zur Auftaktveranstaltung. Die Landtagsabgeordnete Bettina Fortunato war selbst anwesend.
Boßan machte deutlich, dass die Bildung des Eurodistriktes, der den Namen „Transoderana“ bekommen wird und sich nach dem europäischen Recht als „Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit“ (EVTZ) gründet, eine lebendige Perspektive für die Grenzregion darstellt. Davon gebe es bislang in Europa 17, in Deutschland noch gar keine. Eine Grenzregion unterscheide sich grundsätzlich von anderen als strukturarm oder berlinfern bezeichneten Gebieten. „Grenzregionen ticken ganz anders“, erklärte Boßan. Links und rechts der Bahnlinie, die in Zukunft polnische Metropolen mit dem Berliner Ostkreuz und damit auch dem Flughafen verbinden wird, soll im Rahmen des Eurodistrikts entwickelt werden. Im Gegensatz zum nationalen Programm MORO, dass lediglich aus deutscher Sicht auf den prognostizierten Bevölkerungsrückgang reagiert, spiele man mit Transoderana auf einer anderen, der europäischen Ebene. „Mobilität ist die Medizin gegen den demografischen Wandel, sie sichert Arbeitsplätze und schafft Wohlstand“, ist Boßan überzeugt.
Darauf machte gestern auch Gernot Schmidt, Landrat von Märkisch-Oderland, aufmerksam. Es komme für die Nachbar-Regionen darauf an, sich für die neue EU-Förderpolitik aufzustellen. Ein Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit setze auf Eigeninitiative, auf starke Partner beiderseits der Grenzen.
Dabei werde auch berücksichtigt, wie dramatisch sich Polen in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat, sagte Schmidt in Hinblick auf Küstrin und Gorzow. Er hoffe, dass bis zum Jahresende die Gründungsversammlung für den Eurodistrikt erfolgen könne. Er soll seinen Sitz in Seelow haben.
Die Gemeinderäte und Stadtparlamente der Eurodistrikt-Kommunen müssen sich in den kommenden Monaten entscheiden, ob sie den Prozess ihrer eigenen Entwicklung selbst mitgestalten wollen. Im Seelower Bauausschuss gab es bereits klare Worte dazu: „Viele Züge werden hier nicht mehr vorbeifahren, auf die wir aufspringen können“, erklärte Reiner Weiß. Die Gemeinden werden einen Beitrag von zehn Cent je Einwohner zu leisten haben.