Vorbeifahrende können sich noch gut erinnern: Ende vergangenen Jahres wirbelten auf den Deponien in Seelow und Hennickendorf sogar über die Weihnachtsfeiertage Monteure, um bei bitterkalten Temperaturen Solarmodule zu montieren. Beim Entsorgungsbetrieb Märkisch-Oderland (EMO) gab es mehrere Anzeigen wegen vermuteter Schwarzarbeit. "Es war in der Tat ungewöhnlich, aber die Arbeiten waren angemeldet und genehmigt", erklärte EMO-Werkleiterin Angela Friesse am Freitag beim Treff auf der Deponie in Seelow anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme.
Hinter den Aktionen steckte ein Frist. Ende 2016 liefen die Sondervergütungen für auf ehemaligen Mülldeponien installierten Solaranlagen aus. Nur, wenn die Anlagen bis Jahresende betriebsbereit gemeldet wurden, waren dem Investor - in beiden Fällen die SUNfarming GmbH mit Sitz in Erkner - der vom Bund zugesicherte Fördersatz in Höhe von 8,91 Cent je Kilowattstunde (kWh) sicher. Für beide Anlagen wurde die Frist eingehalten. Was nicht bedeutete, dass sie am 1. Januar ans Netz gingen. Nötig war die sichere Einspeisung in das Stromnetz und letztlich die Abnahme durch das Landesamt. Die erfolgte erst am 26. September 2017.
Karsten Balzer, Prokurist von SUNfarming, bezeichnete die Anlagen als Win-Win-Projekte, da sowohl das Unternehmen als auch der Kreis davon Nutzen hätten. Er und dankte dem Landkreis für seine Unterstützung. Erst im September 2016 hatte der Kreistag dem Abschluss von Pachtverträgen für die Errichtung der Photovoltaikanlagen in Hennickendorf und Seelow zugestimmt. Dann ging alles rasend schnell. Nur dank der Unterstützung des Kreises sei dies möglich gewesen, betonte Balzer. Die SUNfarming übernahm mit den auf 27 Jahre befristeten Pachtverträgen auch die dauerhafte Pflege und Sicherung der sanierten Deponien. Beim Bau hieß das unter anderem, den fachgerecht abgedeckten Deponiekörper nicht zu beschädigen, erläuterte Balzer. Dafür sei in Seelow extra ein Betonsockel geschaffen worden. Zudem wurden die150 000 m2 große Deponiefläche in Hennickendorf bzw. die 39 191 m2 in Seelow eingezäunt. Alle beide Anlagen sind mit einer Fernsicherung ausgerüstet. Störungen oder Beschädigungen werden sofort gemeldet.
Für den Landkreis haben die Anlagen in vieler Hinsicht Bedeutung, machte Landrat Gernot Schmidt deutlich. "Sie entsprechen unserem kreislichen Energiekonzept, in dem erneuerbare Energien einen hohen Stellenwert haben", sagte er. Schon heute würden diese Energien im Landkreis 130 Prozent des in den Haushalten benötigten Stroms erzeugen. Zum anderen würden damit für den EMO als Eigentümer die Pflege- und Unterhaltungskosten entfallen. "Und die Pachteinnahmen kommen dem Bürger zugute", so Schmidt. Das sind für die nun drei mit Solarmodulen gedeckten Deponien in Wriezen, Hennickendorf und Seelow rund 20 000 Euro im Jahr, ergänzte Werkleiterin Angela Friesse. Das Geld fließe ein in die Gebührenkalkulation.

Zahlen & Fakten


¦ Deponie Hennickendorf: Plangenehmigung am 5. Dezember 2016, 7. Dezember Unterzeichnung Pachtvertrag, 31. Dezember 2016 Fertigstellung, am 18. April 2017 erste Einspeisung. Montage von 7200 Modulen, Anlagenleistung von 1500 kW. ¦ Deponie Seelow: Plangenehmigung am 13. Dezember 2016, am gleichen Tag Unterzeichnung Pachtvertrag, Fertigstellung 31. Dezember, erste Einspeisung am 14. Juni 2017; 11 808 Module, Leistung von 2460 kW.¦ Leistung: Die Anlage in Seelow erzeugt Strom für rund 1000 Haushalte. Auch bei trübem Wetter oder sogar Schnee wird Strom erzeugt.