Viele Künstler-Freunde aus dem „Prenzelberg“, wie die Berliner ihren Kiez nennen, waren Barbara Metselaar Berthold zur Ausstellungseröffnung ins Schul- und Bethaus im malerischen Oderbruchdorf gefolgt. An der Giebelwand des imposanten Schinkelbaus hängt dort seit Sonnabend ein großes Foto der Künstlerin – die „Madonna mit Silberblick“. Sie trägt eine Last in Form einer hohen, edelstein-besetzten Krone. Wer die Herrscherin ist, woher sie stammt – man weiß es nicht. Doch die stille Erhabenheit des Fotos steht für die Stimmung der gesamten Ausstellung, „die aus der Zeit gefallen scheint“, wie Laudator Christoph Tannert sagte.
Der Kunsthistoriker und langjährige Begleiter von Barbara Metselaar Berthold hat in der Ausstellung mit dem Titel „Lose Enden“ zwei Kategorien von Bildern ausgemacht: Stillleben und Porträts. Beide könnten unterschiedlicher kaum sein.
In ihren Stillleben überlagert und verknüpft die Künstlerin Motive. Da werden Landschaftsteile oder Sehenswürdigkeiten aus Madeira, dem Burgenland, aus Schloss Rheinsberg oder Neukölln mit Körpern überlagert und in Licht getaucht. Und heraus kommt etwas Neues, „eine Unterbrechung des Dokumentarischen“, wie Christoph Tannert es bezeichnet.
Während den Stillleben eine starke Farbigkeit innewohnt, sind die meisten der Porträts schwarz-weiß. Vor allem jene auf den zwei Foto-Stelen an der Rückwand des Saales. Sie zeigen – im schockierenden Kontrast zum Rest der Schau – die Gesichter von Bewohnern des psychiatrischen Heimes Schloss Hirschhügel in der Nähe des thüringischen Rudolstadt. „Das ist nackte, unbearbeitete Wirklichkeit“, sagt der Laudator. Die faszinierenden Gesichtszüge sind für ihn „klar, bis auf den Seelengrund“. Stimmt. Diese Porträts sind das Beste an der Ausstellung. Sie machen uns nichts vor, sind keine Illusion, wie andere Fotos.
Zu einem Höhepunkt der Ausstellungseröffnung wurde für die zahlreich erschienenen Gäste der Auftritt von Conny Bauer. Der bejubelte Posaunist (75), ein Meister des Free Jazz, erzählt mit seinem Instrument Geschichten, ja eigentlich das ganze Leben.
Die Ausstellung ist bis 23. September, Sonnabend und Sonntag, jeweils 13 bis 16 Uhr zu sehen.